Staatsfonds zeichnet Aktien

Singapur stützt Bayer bei Monsanto-Übernahme

Von Christoph Hein, Singapur
 - 12:05

Der Staat Singapur stockt seine Beteiligung am deutschen Pharma-Konzern Bayer auf. Der Staatsfonds Temasek Holdings wird über eine Tochtergesellschaft 31 Millionen neue Bayer-Aktien zu einem Bruttoemissionspreis von insgesamt 3 Milliarden Euro zeichnen. Das entspricht einem Anteil von knapp 3,6 Prozent des Grundkapitals. Zusammen mit der bestehenden Beteiligung kommen die Singapurer damit auf einen Anteil von 4 Prozent an dem Konzern aus Leverkusen. „Temasek ist ein langfristig orientierter Anleger", sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. „Diese Investition zeigt das Vertrauen in die geplante Übernahme von Monsanto.“

Bayer will den Saatguthersteller für 62,5 Milliarden Dollar übernehmen. Nach dem grünen Licht der Kartellwächter aus Brasilien, China und der Europäischen Union gilt die Zustimmung der amerikanischen Behörden als eine der letzten großen Hürden für den Milliardendeal. Allerdings berichten amerikanische Medien, diese stünde kurz bevor. Die Singapurer haben sich in den vergangenen Jahren eher glücklos an europäischen Banken beteiligt. Beide Fonds des Stadtstaates – Temasek und der Government of Singapore Investment Corporation (GIC) – fokussieren sich vor allem auf Investitionen in Asien, sind allerdings offen für Möglichkeiten bei Firmen, die sehr forschungsintensiv arbeiten.

Seinen Portfoliobestand gab Temasek im vergangenen Jahr mit einem Wert von 275 Milliarden Singapur Dollar (169,61 Milliarden Euro) an. In Jahresfrist war er um 33 Milliarden Singapur Dollar gestiegen, seit 2007 um 111 Milliarden Singapur Dollar. Für seinen Aktionär, das Finanzministerium in Singapur, erwirtschaftet Temasek seit Gründung 1974 eine durchschnittliche Rendite von 15 Prozent.

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Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle: Denn innerhalb der vergangenen zehn Jahre lag die Temasek-Rendite nur bei mageren 4 Prozent. Damit blieb der eigentlich als überaus erfolgreich bekannte Fonds sogar deutlich hinter seinen Kapitalkosten von 8 Prozent zurück. Im vergangenen Jahr (31. März 2017) waren es allerdings wieder 13,37 Prozent. Mit dem Kauf der Bayer-Aktien stärkt Temasek den zuletzt reduzierten Anteil seiner Industriebeteiligungen: Er fiel seit 2011 von 23 auf 17 Prozent des Portfolios, in dem Banken 21 und Telekom 17 Prozent ausmachen.

„Wir schärfen unser Portfolio weiter und balancieren es aus. Das geschieht vor allem durch Investitionen in Fokusbereiche, in denen wir Wachstumsmöglichkeiten dank des Wandels der Weltwirtschaft und der gesellschaftlichen Bedürfnisse erkannt haben“, sagte Sulian Tay, die Geschäftsführerin für Investitionen, bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr. „Wir bleiben vollkommen flexibel, Kapital in neue Möglichkeiten zu pumpen, sobald sie aufkommen“, fügte die frühere Goldman-Sachs-Bankerin damals an.

Quelle: FAZ.NET
Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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