<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Theranos-Gründerin Holmes

Gestern Milliardärin – heute ohne Vermögen

 - 10:37

Sie schien eine amerikanische Vorzeigeunternehmerin zu sein, doch spätestens jetzt zeigt sich, wie groß die Erklärungsnot ist, in der sie steckt: Elizabeth Holmes, 32 Jahre alt, versprach mit den Testverfahren ihres Unternehmens Arztbesuche ohne Angst vor Spritzen. Ihr Start-up Theranos wirbt mit Bluttests, für die keine schmerzhaften Einstiche notwendig sind. Im vergangenen Jahr zählte Holmes noch zu den großen Gewinnern der „Forbes“-Reichenliste, nun hat das amerikanische Magazin die Gründerin des einst hoch gehandelten Start-Ups vorerst komplett abgeschrieben. Das Vermögen der Unternehmerin sei von geschätzten 4,5 Milliarden Dollar (4,0 Milliarden Euro) auf Null nach unten korrigiert worden, erklärte die Forbes-Redaktion. Die Bewertung basiere einzig auf Holmes' 50-prozentiger Beteiligung an Theranos.

Dabei klang die Unternehmensidee der jungen Frau tatsächlich attraktiv: Nur ein kleiner Pieks in den Finger und wenige Tropfen Blut sollten mit ihrer Methode genügen, um diverse Tests durchführen zu können. Das soll nicht nur weniger schmerzhaft sein als traditionelle Blutentnahmen, sondern auch viel billiger. Und angeblich liefert es auch schnellere Ergebnisse.

Mit diesen Versprechen hatte Theranos Milliarden bei Investoren eingesammelt. Holmes war so zwischenzeitlich zum Star in Technologie-Blogs geworden, trat auf diversen Konferenzen auf und war auf Magazin-Covern zu sehen. Doch dann traf eine Serie von Enthüllungsberichten das Unternehmen hart: An der Technologie wurden erhebliche Zweifel angemeldet. Das Unternehmen sei weit davon entfernt, Spritzen überflüssig zu machen, so lesen sich die kritischen Berichte. Das „Wall Street Journal“ etwa schrieb, Theranos habe sich bei nicht einmal 10 Prozent seiner Bluttests im vergangenen Jahr tatsächlich seiner hauseigenen Technologie mit dem Namen „Edison“ bedient, für die der Fingerpieks ausreicht. Für die überwiegende Mehrheit habe sich das Unternehmen dagegen weiter auf die Blutentnahme per Spritze verlassen und traditionelle Maschinen von Herstellern wie Siemens verwendet. Nach Angaben in dem Bericht haben Mitarbeiter von Theranos an der Zuverlässigkeit der eigenen Testmethode gezweifelt, die oft ganz andere Ergebnisse geliefert habe als die konventionellen Maschinen.

Inzwischen befasst sich auch eine Abteilung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CMS mit dem Fall. Ende Januar erklärte sie, die Praktiken von Theranos seien eine „direkte Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit von Patienten“. Die Behörde drohte damit, dem Unternehmen die Bluttests zumindest vorübergehend zu verbieten. Das Verfahren läuft noch. Daneben ist Theranos im Visier der amerikanischen Börsenaufsicht SEC sowie von Ermittlern in Kalifornien. Hier geht es um möglichen Investorenbetrug. Außerdem muss Theranos auch Sammelklagen von Patienten fürchten.

„Forbes“ schrieb nun, der Unternehmensanteil von Elizabeth Holmes stelle im Zuge der Ermittlungen der amerikanischen Behörden derzeit keinen Wert mehr dar. Zuvor hatte „Forbes“ Theranos entsprechend einer Finanzierungsrunde aus dem Jahr 2014 zunächst auf neun Milliarden Dollar taxiert. Nach aktuellem Stand würde die Bewertung aber nur noch bei etwa 800 Millionen Dollar liegen. Davon wiederum dürfte Holmes im Fall einer Insolvenz nichts sehen, da andere Investoren dann bevorzugt behandelt würden. Holmes besitze nämlich nur gewöhnliche Anteilsscheine und keine Vorzugsaktien.

Quelle: nab./lid./dpa/AFP
  Zur Startseite