Millionenstrafe

Verbrennungen durch Thermomix – Vertreiber schwieg

 - 09:02

Der australische Distributor des Thermomix, Thermomix in Australia (TiA), muss mehrere Millionen Dollar Strafe zahlen. 2014 hatten sich mehrere Menschen bei der Benutzung des von dem deutschen Haushaltsgerätehersteller Vorwerk produzierten Küchenallrounders schwere Verbrennungen zugezogen. Der Bundesgerichtshof in Melbourne sieht als erwiesen an, dass das TiA trotz eines bekannten Sicherheitsproblems die Küchengeräte verkauft hat. Außerdem habe es die Öffentlichkeit über die Sicherheit der Produkte in die Irre
geführt und Rückerstattungen verweigert, hieß es am Mittwoch.

Die oberste australische Verbraucherschutzbehörde ACCC hatte im vergangenen Jahr ein Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet, nachdem mindestens 14 Fälle bekannt wurden, in denen Thermomix-Kunden beim Hantieren mit einem älteren Modell der Küchenmaschine verletzt wurden.

Das Gericht verurteilte TiA zu einer Geldstrafe von 4,6 Millionen australischen Dollar (2,8 Millionen Euro). Einem Bericht des „Sydney Morning Herald“ zufolge warf der Richter dem Unternehmen einen schweren Verstoß gegen das Verbraucherschutzgesetz vor. Die Vertriebsfirma hatte noch im März 2014 in einer Pressemitteilung beteuert, dass das Modell TM31 sicher sei und 105.000 Maschinen zu einem Preis von rund 2000 australischen Dollar (1358 Euro) in Australien ausgeliefert. Tatsächlich aber habe TiA das potentielle Verletzungsrisiko aufgrund eines Defekts am Versiegelungsring des Deckels schon seit längerem gekannt.

Wie ein Sprecher von Vorwerk FAZ.NET mitteilte, habe man im September 2014 im Rahmen eines kontinuierlichen Qualitätsmanagements festgestellt, dass bei einigen wenigen TM31 der Dichtungsring im Deckel nicht einwandfrei funktioniert habe. Daraufhin habe man einen vorsorglichen Warnhinweis veröffentlicht, alle Kunden einer bestimmten Produktionscharge angeschrieben und den Dichtungsring der Geräte kostenlos ausgetauscht. In Australien sei der Austausch von „TiA“ als dort verantwortlicher Distributor durchgeführt worden. Vorwerk mit Sitz in Wuppertal ist nach eigenen Angaben nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens gegen TiA gewesen und war auch nicht daran beteiligt.

TiA muss sich nun für sein verspätetes Handeln verantworten. „Sie haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben sich bewusst dazu entschieden, die Kunden nicht zu informieren“, warf der Richter der Handelsgesellschaft vor. Nach australischem Gesetz ist ein Unternehmen dazu verpflichtet, die Regierung binnen 48 Stunden zu informieren, wenn von einem seiner Produkte eine Gefahr ausgeht.

In einer früheren Version des Textes hieß es, Vorwerk sei in das Verfahren verwickelt gewesen. Das ist nicht korrekt. Die Geldstrafe richtet sich an die Vertriebsfirma Thermomix in Australia. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: jsa.
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