Digitalisierung

Erste Überwachungs-Pille zugelassen

 - 08:44

Nehmen Patienten die ihnen verschriebenen Medikamente wie vom Arzt verlangt? Wenn nicht, funktioniert der Genesungsplan nicht wie gewünscht. Und es ist außerdem teurer, weil die Medizin und das Geld dafür dann verschwendet worden sind. Offenbar kommt das häufig vor. Fachleute schätzen einem Bericht der „New York Times“ zufolge, dass durch solches Verhalten Kosten in Höhe von 100 Milliarden Dollar entstehen - pro Jahr.

Das ist der Hintergrund für eine spektakuläre Entscheidung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, die verantwortlich dafür ist, neue Medikamente und Behandlungen in den Vereinigten Staaten zuzulassen. Die FDA erlaubt nun erstmals eine digitale Pille - ein mit einem Sensor ausgestattetes Medikament, das es Ärzten ermöglichen soll festzustellen, ob und wann ihre Patienten die Medikamente nehmen.

Kupfer, Magnesium, Silikon

„Wenn Patienten nicht dem ihnen verschriebenen Lebensstil oder der verordneten Medikation folgen, hat das substantielle Konsequenzen, die schlecht sind für sie und sehr teurer“, sagte William Shrank, Mediziner an der Universität von Pittsburgh, der Zeitung. Die nun zugelassene digitale Pille „hat das Potential, die Gesundheit allgemein zu verbessern“, schätzt Ameet Sarpatwari, ein Fachmann an der Harvard-Universität.

Wer die digitalen Pillen nimmt, kann demzufolge erlauben, dass der Arzt und vier weitere Personen, zum Beispiel Familienmitglieder, entsprechende Daten bekommen. Über eine Smartphone-App soll es außerdem möglich sein, die einmal gewährte Erlaubnis jederzeit wieder zu blockieren.

Die nun zugelassene Pille heißt „Abilify MyCite“. Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen Otsuka, and Proteus Digital Health. Der Sensor, der Kupfer, Magnesium und Silikon enthält, erzeugt elektrische Signale, wenn er mit Magenflüssigkeit in Berührung kommt.

Jeffrey Lieberman, Psychiater an der Columbia Universität in New York, ist einerseits zuversichtlich für das Medikament. „Es wird dazu führen, dass Menschen weniger Rückfälle erleiden“, sagte er der „New York Times“. Er fügte hinzu: „Es steckt eine gewisse Ironie darin, das Menschen zu geben mit mentalen Störungen, die Wahnvorstellungen einschließen können. Es ist wie ein biomedizinischer Big Brother.”

Quelle: ala.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAmerikaFDANew York Times