Nach der Bundestagswahl

Wohin mit den alten Wahlplakaten?

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
 - 13:13

Wahlkampf ist Materialschlacht. Von gefühlt jeder zweiten Straßenlaterne grüßt ein Politikerkopf und buhlt mit mehr oder weniger intelligenten Slogans um Stimmen. Allein die CDU hat die Republik für die Bundestagswahl mit rund 300.000 Kleinplakaten zugehängt. Nach dem Wählerentscheid haben die Parteien üblicherweise eine Woche Zeit, um die Reklame wieder einzusammeln. Aber wohin damit?

„Am besten in die Recyclinganlage. Das macht den Bundestagswahlkampf umweltfreundlich“, sagt Sascha Schuh, Geschäftsführer der Ascon GmbH. Mit der Abfallverwertung kennt sich das Bonner Unternehmen, ein Spezialist für Sekundärrohstoffe und Rücknahmesysteme, bestens aus. Damit die Parteienwerbung wochenlang Sonne, Wind und Wetter standhält, wird sie meistens auf „Hohlkammerplakate“ aus dem Kunststoff Polypropylen (PP) gedruckt. Und der eignet sich, wie Schuh erläutert, hervorragend für eine stoffliche Wiederverwertung.

Im Frühjahr, bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hat er einen ersten Pilotversuch gestartet. Besonders fleißig hätten CDU und Linke mitgemacht, erzählt Schuh. Die Mengen waren überschaubar: Rund 20 Tonnen Polypropylen waren zwischen Rhein und Weser zusammengekommen. Jetzt versucht es Ascon in großem Stil und bietet seinen Service für die Rücknahme und das Recycling von Wahlplakaten in ganz Deutschland an. Mit der Resonanz sei er bisher zufrieden, sagt Schuh. Seitens der CDU und der Linken gebe es erste Zusagen von Kreisverbänden, etwas schleppender laufe es mit der SPD. Der Ascon-Chef setzt auf die Tage nach der Wahl. Die Parteien hätten im Moment einfach anderes im Kopf, als sich über die Entsorgung alter Wahlplakate Gedanken zu machen.

In detaillierten Empfehlungen an die Kreisverbände ist nachzulesen, wie es gehen könnte. Besonders wichtig: Die Kabelbinder, mit denen die Plakate befestigt waren, müssen entfernt werden, am besten gleich beim Abhängen. Denn die bestehen aus anderen Kunststoffen und seien deshalb „Gift für den Recyclingprozess“. Die Wahlhelfer sollen die Plakate dann an eine zentrale Sammelstelle bringen, wo Ascon sie abholen und zu spezialisierten Aufbereitungsunternehmen befördern lässt. Dort werden sie geschreddert, gemahlen und gereinigt.

Für die Parteien ist die Aktion kostenlos. „Sie können sogar eine Menge Geld sparen, wenn sie mitmachen. Denn die einzige Alternative ist oft die Verbrennung, und die kostet um die 120 Euro je Tonne.“ Ascon rechnet sich, wenn alles glatt läuft, ein nettes Zusatzgeschäft aus. Denn für das Mahlgut zahlt die Kunststoffindustrie ordentliche Preise. Je nach Marktlage seien 450 bis 520 Euro je Tonne drin. Das Altmaterial ist vielseitig verwendbar, auch neue Plakate für die nächste Wahl können daraus gemacht werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bünder, Helmut (bü.)
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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