Wasserpfeifen-Boom

Das Geschäft der Shisha-Bars floriert

Von Christoph Strauch
 - 15:32

Was haben Maßkrüge mit Wasserpfeifen zu tun? Bei Frank Kleespies zumindest eine ganze Menge. Der 48 Jahre alte Maschinenschlosser verkauft in seiner Gelnhäuser „Shisha-Manufaktur“ die „ShishaBavaria“ – einen zur Wasserpfeife umfunktionierten Bierkrug mit aufgedrucktem bayerischen Muster. Der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne kommt bei der Kundschaft von Kleespies gut an. „Vor allem junge Leute finden das klasse und nehmen die ShishaBavaria auch gern mal mit auf das Oktoberfest“, sagt der Händler. Nicht von ungefähr hat er den Namen seines Produkts beizeiten schützen lassen.

Kleespies’ ausgefallene Idee zeigt, wie sich die Branche binnen weniger Jahre radikal verändert hat. „Die ersten Shishas, mit denen in Deutschland gehandelt wurde, waren Ausstellungsstücke aus dem Antik-Handel“, erinnert sich der Geschäftsmann. Anfangs seien die meisten Wasserpfeifen noch aus Blech gewesen, heute gebe es hochwertige Edelstahlprodukte, die zwischen 180 und 500 Euro kosteten. Ein Besuch in der Manufaktur in Gelnhausen zeigt, dass die Produktpalette bunter geworden ist.

Mittlerweile gibt es sogar E-Shishas und die dazu passenden E-Liquids – also jene Flüssigkeiten, die beim Konsum von E-Shishas verdampft werden – in unzähligen Aromasorten. Neben Eigenprodukten wie der ShishaBavaria oder der Shisha „Nordwind“ aus Glas verkauft Kleespies auch noch Wasserpfeifen traditioneller Hersteller weiter. Darunter sind bekannte Namen wie Amy, Nargilem oder Aladin aus Wiesbaden zu finden.

Shisha - Made in Germany

Die Einzelteile für seine selbstentworfenen Produkte lässt Kleespies von kleineren Zuliefererfirmen herstellen. Mit drei Glasbläsereien, einem Schlauchhersteller, einem Korkhersteller sowie zwei Drehereien arbeitet seine Shisha-Manufaktur zusammen. Der findige Unternehmer legt dabei größten Wert darauf, dass bis auf den Korkverschluss und den Glasbehälter – auch Bowl genannt – alle Teile aus deutscher Produktion stammen. „Die Bowl lassen wir in Asien fertigen, der Korkverschluss kommt aus Portugal“, sagt er. Auch deshalb, weil Portugal die Hochburg der Korkhersteller ist. Viele andere Anbieter, sagt er, würden komplett in China produzieren lassen.

Wenn es jedoch um die Produktion von Shisha-Kohle geht, ist Indonesien die erste Adresse. „Blackcoco’s“, einer der führenden Kohlehersteller in Deutschland, bezieht nicht nur alle Ressourcen aus dem rohstoffreichen Land in Südostasien, sondern lässt seine Naturkohle auch vor Ort produzieren. Shisha-Kohle wird meist aus Kokosnussschale hergestellt, die eine besonders lange Brenndauer hat. Auch einzelne Kohleproduzenten haben ihre Nischen gefunden und stellen in ihren Werbeauftritten Aspekte wie Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in den Mittelpunkt – so etwa auch der Hersteller „CocoGreen“ bei Fulda.

Das florierende Shisha-Geschäft findet auch auf stark besuchten Ausstellungen wie der „Shisha-Messe“ seinen Niederschlag, die 2013 in Frankfurt am Main als erste Fachmesse der Welt für Wasserpfeifenbedarf ins Leben gerufen wurde und sich binnen Kürze etabliert hat: Verzeichneten die Organisatoren im ersten Jahr noch rund 4000 Besucher und 30 Aussteller, waren es 2017 schon 22.000 Besucher und 200 Aussteller. Damit nicht genug. Wegen starken Andrangs und der hohen Nachfrage wird die Shisha-Messe in diesem Jahr in Berlin wiederholt.

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Die Fachmessen bieten vor allem den vielen Neulingen der Branche eine Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren und Marktforschung zu betreiben. „Waren vor 15 Jahren nur traditionelle Hersteller im Markt aktiv, gibt es inzwischen fast jeden Monat neue Start-up-Unternehmen, die mitmischen“, sagt Sera Leyla. Die Sprecherin der Shisha-Messe sieht in dem gestiegenen Wettbewerb auch einen Grund für die zunehmende Perfektionierung von Produkten. Allerdings könnten sich viele der Start-up-Unternehmer nicht halten, weil sie durch die Produktion im Ausland Probleme hätten, Lieferzeiten einzuhalten, oder kein gutes Marketing betrieben.

Zwielichtiges Publikum bringt Branche in Verruf

Auch in der Gastronomie sind Wasserpfeifen stark gefragt. Im Berliner Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg sind laut dem dortigen Bezirksstadtrat Andy Hehmke 20 gekennzeichnete Shisha-Bars registriert. Diese gelten jedoch nur dann als solche, wenn sie keine Speisen und alkoholischen Getränke servieren. Daher gibt diese Zahl nur einen Bruchteil des tatsächlichen Angebots wieder. Denn Wasserpfeife darf auch in Gaststätten geraucht werden, die diese Anforderungen nicht erfüllen. Für sie gelten dann nur die Bestimmungen des Nichtraucherschutzgesetzes, während die reinen Shisha-Bars nicht den üblichen Beschränkungen für das Rauchen unterliegen.

Auch in Frankfurt sind die Bars reichlich vertreten. Nach Angaben des Ordnungsamtes sind in der Mainmetropole 78 Bars registriert, wovon 51 aktiv als reine Shisha-Bars betrieben werden. Unter den Lokalen befinden sich besonders angesagte Treffs wie die „Aura Lounge“ oder die „Kayra Lounge“, in Berlin gehört das Café „Aliyah“ zur ersten Adresse. Manche Bars heben sich von der Konkurrenz dadurch ab, dass sie zur Wasserpfeife Sushi oder hochwertige Wodka-Sorten servieren. Reine Shisha-Bars versuchen mit exotischen Aromasorten zu punkten.

Gleichwohl haben manche Shisha-Bars einen schlechten Ruf und bringen so die Branche ins Gerede. Meist geht es um Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz, das Gewerberecht oder das Nichtraucherschutzgesetz. Das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt teilte auf Anfrage mit: „Fast jeder Betrieb war bei Kontrollen auffällig.“ Anderswo geht es sogar härter zu: Erst vor Tagen hatte es in einer Gießener Bar eine Explosion gegeben, durch die mehrere Menschen verletzt wurden. Angeblich soll der inzwischen festgenommene Inhaber die Explosion selbst in Auftrag gegeben haben, um Versicherungsbetrug zu begehen. Wenig zimperlich ging es kürzlich auch in einer Berliner Shisha-Bar zu. Dort lieferten sich 30 Gäste eine Massenschlägerei.

Branchenkenner Kleespies kennt solche Exzesse. Die erste Shisha-Bar, die in Gelnhausen vor zwölf Jahren öffnete, ist heute eine normale Gaststätte. Grund für die Umstellung seien die Kunden gewesen. „Als Shisha-Bar zieht man manchmal auch eine Klientel an, die man in einem normalen Lokal nicht haben will.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Strauch, Christoph
Christoph Strauch
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