Geldpolitik

Ein Jurist an die Spitze der amerikanischen Notenbank?

 - 11:43

Es ist eine der mächtigsten Positionen in der Weltwirtschaft und schon lange wird darüber diskutiert, wer sie bekommt: Die Stelle des Präsidenten oder der Präsidentin der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve. Natürlich entscheidet am Ende der Chef, wen er einsetzt. Häufig ist es aber für die Kandidaten zumindest hilfreich, prominente Fürsprecher zu haben. Jetzt ist ein Kandidat ins Gespräch gekommen, der sogar den amerikanischen Finanzminister zu seinen Fürsprechern zählen dürfte: der Jurist Jerome Powell.

Präsident Donald Trump kündigte unlängst an, er werde zeitnah entscheiden, wer der neue Notenbankchef werden wird. Im Februar endet die Amtszeit der derzeitigen Vorsitzenden Janet Yellen und Trump will eigenem Bekunden nach die Öffentlichkeit nicht mehr lange im Unklaren darüber lassen, wie es dort weitergeht. Eine Reihe von Namen machen schon seit einiger Zeit die Runde, darunter ist auch Yellen selbst, außerdem Trumps oberster Wirtschaftsberater Gary Cohn (zuvor die Nummer Zwei in der Investmentbank Goldman Sachs), der Ökonom und frühere Notenbanker Kevin Warsh - und nun auch ein amtierendes Mitglied aus der Notenbankführung, der Jurist Jerome Powell.

Ein Jurist, kein Ökonom

Trump selbst soll sich mit ihm bereits getroffen haben. Und Trumps Finanzminister Steve Mnuchin ist offenkundig ein großer Fan und Unterstützer Powells. Das berichtet das Magazin „Politico“ und bezieht sich dabei auf Kreise in der amerikanischen Administration. Demnach hat Mnuchin Trump in persönlichen Gesprächen Powell wärmstens empfohlen. Wie sehr das hilft, wird sich zeigen, allerdings gilt das Verhältnis zwischen Trump und Mnuchin als gut. Und unwichtig ist gerade auch das Verhältnis zwischen Finanzminister und Notenbankchef nicht: Beide sind beispielsweise verantwortlich für die Regulierung der Banken und repräsentieren mit der Geldpolitik und der Finanzpolitik zwei wichtige Instrumente der Wirtschaftspolitik insgesamt.

Powell ist 64 Jahre alt und gehört der Führung der Notenbank seit dem Jahr 2012 an - er arbeitete sowohl mit der derzeitigen Vorsitzenden Yellen als auch ihrem Vorgänger Ben Bernanke zusammen. Im Gegensatz zu Yellen und Bernanke ist Powell allerdings studierter Jurist und nicht Ökonom, wenngleich er beruflich lange Zeit in der Finanzbranche arbeitete, er war etwa Partner der privaten Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Das ist zumindest kein Nachteil für seine Chancen auf die Position, hat Trump bislang doch zumal in Wirtschaftspositionen Leute ausgewählt, die eine erfolgreiche Karriere in der Privatwirtschaft vorweisen können. Zugleich ist Powell wiederum mit der Verwaltung vertraut; der Republikaner arbeitete unter dem Präsidenten George H. W. Bush im Finanzministerium.

Und einige der Ziele des Präsidenten sind dem Notenbanker offensichtlich sehr sympathisch. „Die größte Herausforderung, der wir als Land gegenüberstehen, ist zu tun, was wir können, um die nachhaltige Wachstumsrate zu steigern“, sagte er unlängst während einer Diskussion. „Ein einfacher Prozentpunkt zum Beispiel würde einen dramatischen Unterschied im Leben der Menschen machen über die Zeit.“

Andererseits gilt Powell auch als ein Kandidat, der den Kurs der Notenbank nicht radikal verändern, sondern tendenziell eher beibehalten würde. Im Verglich zu Yellen gilt er als offener dafür, die Bankenregulierung in Teilen zu lockern, aber auch nicht soweit, dass er sie wieder so wie vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise gestalten würde.

Ob Powells Chancen besser sind als die der anderen Kandidaten, ist wiederum nicht wirklich abschätzbar. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn galt lange als aussichtsreichster Kandidat für die Notenbankspitze, der Präsident selbst teilte das der Öffentlichkeit in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ mit. Nachdem sich Cohn kritisch über Trumps Reaktion auf die rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville geäußert hat, soll sich das Verhältnis zwischen beiden Berichten zufolge jedoch abgekühlt haben. Dem Ökonom Kevin Warsh wiederum gerät möglicherweise sein Alter zum Nachteil - mit seinen 47 Jahren hält Trump ihn dem aktuellen Politico-Bericht für zu jung, um diese wichtige Position zu übernehmen.

Quelle: ala.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBen BernankeDonald TrumpGary CohnJanet YellenFederal Reserve BankGoldman SachsGeldpolitikNotenbank