Viele Überstunden

Fast jeder zweite Arbeitnehmer fühlt sich gestresst

 - 13:58

Vor allem Ältere und Selbständige leisten mehr Überstunden. Dies geht aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Bericht des Statistischen Bundesamtes „Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt“ hervor. Demnach arbeiten elf Prozent der Vollzeiterwerbstätigen mehr als 48 Stunden pro Woche. Dazu zählen vor allem Arbeitnehmer im Alter von 55 bis 64 Jahre und Selbständige.

„Je älter man ist, desto länger arbeitet man“, sagte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, bei der Vorstellung des Berichts. Dies lässt sich vor allem auch auf Führungsaufgaben zurückführen, die in der Regel von älteren Arbeitnehmern übernommen werden. Im Durchschnitt verbringen Vollzeiterwerbstätige 41 Stunden im Job. Unter hoher Arbeitsintensität litten im Jahr 2015 rund 40 Prozent der Arbeitnehmer. Männer sind mit 44 Prozent demnach häufiger betroffen als Frauen (36 Prozent).

Vor allem Führungskräfte (54 Prozent) sehen sich durch ein hohes Arbeitstempo und Termindruck belastet. Aber auch Erwerbstätige in der Anlagen- und Maschinenbedienung (56 Prozent) und in Handwerksberufen (52 Prozent) geben eine hohe Belastung im Job an. Mit 46 Prozent sind auch Hilfsarbeitskräfte betroffen, dann folgen Akademiker (39 Prozent) sowie Bürokräfte (37 Prozent). In Dienstleistungsberufen lag die Quote bei 32 Prozent.

Neun Prozent der Arbeitsverträge befristet

Nach Einschätzung der Statistiker ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt dank der guten Konjunktur grundsätzlich positiv. Gut qualifizierte Beschäftigte könnten sich mitunter aussuchen, für welches Unternehmen sie arbeiten wollen, hieß es. Allerdings dürften angesichts von überlangen Arbeitszeiten und zu hoher Arbeitsintensität andere Bedürfnisse stärker in den Fokus rücken. Wer gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche arbeite oder sich dauerhaft überlastet fühle, stelle sich früher oder später die Frage nach der Work-Life-Balance, sagte Thiel.

2016 waren neun Prozent der Arbeitsverträge in Deutschland befristet. Betroffen waren rund 2,8 Millionen Arbeitnehmer ab 25 Jahre. Die Quoten sind in akademischen Berufen und bei Hilfstätigkeiten am höchsten (je zwölf Prozent). In Dienstleistungsberufen liegt die Quote bei zehn Prozent. Bei 57 Prozent betrug die Laufzeit der befristeten Arbeitsverträge weniger als ein Jahr. In den vergangenen zehn Jahren blieb die Befristungsquote relativ konstant und schwankte zwischen acht und neun Prozent. 36 Prozent der befristet Beschäftigten mussten ein solches Arbeitsverhältnis eingehen, da sie keine dauerhafte Stelle gefunden hatten.

Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit einer Befristungsquote von rund neun Prozent unter dem EU-Durchschnitt von elf Prozent. Besonders hoch sind die Quoten in Polen und Spanien (je 24 Prozent). In Rumänien (1,2 Prozent) und Großbritannien (4,6 Prozent) zählen die Befristungsquoten zu den niedrigsten.

Den Angaben zufolge sind in Deutschland derzeit 44,2 Millionen Menschen erwerbstätig. Vor allem die Erwerbsquote von Frauen hat in den vergangenen zehn Jahren zugelegt. 2006 lag sie bei 61,4 Prozent, 2016 bei 70,6 Prozent. Die Erwerbslosenquote sank zwischen 2006 und 2016 von 10,3 auf 4,1 Prozent. Bis zum Juli 2017 erreichte sie sogar 3,7 Prozent. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich nach Tschechien auf dem zweiten Platz.

Quelle: hade./epd
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutschlandFrauenÜberstunden