Vollbeschäftigung

Warum Unternehmen immer öfter ältere Menschen einstellen

Von Tobias Müller
 - 14:38

Wer über 50 noch eine neue Stelle sucht, kann das von vornherein vergessen? Die Erzählung hält sich hartnäckig, die Realität sieht inzwischen anders aus. In vielen Regionen Deutschlands herrscht Vollbeschäftigung, zudem kommen wenige junge Leute auf den Arbeitsmarkt – und weil die Politik den Vorruhestand erschwert, gewöhnen sich die Unternehmen mehr und mehr an ältere Mitarbeiter.

Die Deutsche Bahn schreibt das inzwischen sogar offiziell in ihren Kriterienkatalog. Auf der Suche nach Mitarbeitern will sie gezielt ehemalige Soldaten ansprechen, Studienabbrecher – und eben Menschen über 50. Unter der neuen Mitarbeiter-Zielgruppe seien viele Menschen mit wertvollem Know-How und Berufserfahrung. „Wir bauen auf. Im Zweifel einer mehr“, sagt Personalvorstand Martin Seiler. Die Deutsche Bahn will so rund 19.000 Stellen im Jahr 2018 besetzen. Trotz der rund 250.000 Bewerbungen für Ausbildungsstellen und Jobs, die jedes Jahr bei der Bahn eingehen, fällt es dem Konzern schwer, Nachwuchs in wirtschaftsstarken Regionen zu erhalten: „Vor allem Lokführer und Gleisbauer, aber auch in der Fahrzeugbereitstellung und in der IT fehlt es an Mitarbeitern.“

Mehr als 95 Prozent aller Verträge sind bereits unbefristet

Insgesamt wächst der Anteil Älterer, die noch arbeiten. Das Statistische Bundesamt weist aus, wie viele Menschen zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig sind. 1991 waren das gerade mal 38 Prozent. 2014, im Jahr mit den aktuellsten Daten, waren es schon 66 Prozent.

Das Thema wird immer drängender. Deutschlands geburtenstärkster Jahrgang wird im kommenden Jahr 55. Für die Bahn bedeutet das: Von den rund 200.000 Arbeitnehmern, die derzeit in Deutschland bei der Deutschen Bahn angestellt seien, fielen in den nächsten zehn bis 15 Jahren rund die Hälfte weg.

Die Bahn belässt es aber nicht dabei, ältere Mitarbeiter einzustellen – sie will auch ihre aktiven Mitarbeiter halten. Bis Ende 2019 sollen alle Mitarbeiter ein dienstliches Smartphone oder Tablet erhalten. Nach dem neuen Tarifvertrag haben Angestellte zudem das Recht auf Weiterbildungen, wenn sich ihr Beruf durch die Digitalisierung verändert. Die Quote der unbefristeten Arbeitsverträge liegt bei der Bahn bereits seit Jahren bei mehr als 95 Prozent, sagte Seiler. „Das ist ein klarer Weg und den werden wir nicht ändern.“ Auch der bürokratische Aufwand für Bewerbungen wird vereinfacht: So will der Konzern noch in diesem Jahr gänzlich auf ein Bewerbungsanschreiben verzichten. Der Lebenslauf und ein Vorstellungsgespräch seien ohnehin besser geeignet, um die Kompetenzen und Motivation eines Bewerbers festzustellen.

Video starten

Vorurteile über das AlterMan ist so alt, wie man sich fühlt

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDeutsche Bahn