Kommunikation

Was können Fed, EZB und Co. besser machen?

Von Jenni Thier
 - 16:45

So mancher Notenbanker dürfte sich gerne an alte Zeiten erinnern. Damals, vor der großen Finanzkrise, da konnten sie es sich leisten, gar nicht oder in Rätseln zur Öffentlichkeit zu sprechen. Zelebriert hat das Alan Greenspan, Chef der amerikanischen Zentralbank Fed von 1987 bis 2006. Ein berühmtes Zitat von ihm lautet: „If you think you understand what I am saying you do not understand what I am saying.“ („Wenn du denkst, du verstehst, was ich sage, dann verstehst du nicht, was ich sage.“)

So verwundert es wenig, dass dieses Zitat auch am Dienstag zu Beginn einer Diskussion über die Kommunikation von Zentralbanken in der EZB fiel. Auf dem Podium saßen vier der wohl mächtigsten Notenbanker: Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Chef Mario Draghi, Bank-of-England-Chef Mark Carney und Bank-of-Japan-Chef Haruhiko Kuroda.

Alle waren sich darin einig, dass die Finanzkrise und die damit einhergehenden unkonventionellen Maßnahmen wie Anleihekäufe es nötig gemacht haben, mit der Öffentlichkeit mehr zu kommunizieren – durch die sogenannte Forward Guidance. Sie soll vor allem den Finanzmärkten die geldpolitischen Schritte der Notenbanken verständlicher und transparenter machen, um Turbulenzen zu vermeiden. Kuroda betonte, dass die Kommunikation in direkten Worten die Intention und Inhalt der geldpolitischen Entscheidung vermitteln müsse. EZB-Präsident Draghi sagte: „Die Forward Guidance ist zu einem vollwertigen Instrument der Geldpolitik geworden.“ Ob es dauerhaft bleibt, etwa wenn die Zinsen wieder steigen, sei allerdings schwer zu sagen.

„Zu viele Stimmen verwirren die Öffentlichkeit“

Die EZB tut laut Draghi viel für die Kommunikation. Aber: „Es müssen Ohren da sein, die bereit sind zuzuhören“, sagte der EZB-Präsident. Angesprochen auf die unterschiedliche und kritische Berichterstattung zur EZB-Politik in Ländern wie Deutschland oder Italien, kritisierte Draghi eine selektive Wahrnehmung. „Eine Minderheit schützt sich vor internationalem Einfluss.“

Was passiert, wenn die Kommunikation so richtig schief läuft, musste die amerikanische Fed vor ein paar Jahren erleben. Der damalige Fed-Chef Ben Bernanke hatte im Mai 2013 vor dem amerikanischen Kongress mit seiner Bemerkung, die Fed werde die Anleihekäufe zurückfahren, für Schockwellen an den Märkten gesorgt. Das erwischte die Fed völlig auf dem falschen Fuß. „Wir waren sehr überrascht von den Marktreaktionen“, sagte Yellen. Man habe das nicht verstanden, weil das, was Bernanke sagte, auch im Einklang mit den Erwartungen der Händler gewesen sei, die die Fed regelmäßig befragt.

Sie habe daraus gelernt, dass das Timing und der Charakter des Statements wohl überraschend waren und deshalb von den Märkten als ungewöhnliche Intervention eingestuft worden sei. Daraus habe die Fed gelernt, die Märkte gründlich und detailliert auf Veränderungen in der Geldpolitik vorzubereiten – und das gelinge gerade, befand Yellen. Die Fed-Chefin warnte zudem davor, die Forward Guidance als festen Weg zu interpretieren. Wenn sich die ökonomischen Gegebenheiten verändern und von den Vorhersagen der Zentralbanken abweichen, dann müssen diese ihre Entscheidungen daran anpassen.

Früher, etwa zu Greenspan-Zeiten, sei Geldpolitik eher ein autoritärer Prozess gewesen, sagte Fed-Chefin Yellen. Heute sei es ein demokratischer Prozess. Dadurch würden Reden einzelner Ratsmitglieder der Zentralbank viel Aufmerksamkeit von der Presse bekommen. Es sei dabei wichtig, dass die Ratsmitglieder nicht unterschiedliche Ansichten nach außen vermittelten. „Zu viele Stimmen verwirren die Öffentlichkeit“, sagte Yellen, die allerdings einräumte, dass das nicht immer gelinge.

"Die Leute haben anderen Dinge zu tun, als sich über Preisstabilität Gedanken zu machen."

Das sogenannte "Taper Tantrum" vom Mai 2013 war auch Auslöser dafür, dass die EZB die Forward Guidance einführte. Damals noch eher, um die europäischen Märkte vor den Turbulenzen in Amerika zu schützen, wie EZB-Präsident Draghi sagte. Seitdem sei sie breiter geworden. Anfang 2015 seien Aussagen zu Zinsen und Anleihekäufen eingeführt und miteinander verzahnt worden.

Doch nicht nur die Fachleute sollen mehr über die Schritte der Zentralbanken aufgeklärt werden. Die Bank of England hat in der letzten Zeit versucht, Geldpolitik auch einem breiten Publikum verständlich zu machen. Dafür besuchen Carney und seine Leute Schulen und schreiben in einfacher Sprache Texte für soziale Medien und Blogs. Das sei wichtig in einer Zeit, wo viele Leute genug von Experten hätten, so Carney. Er verglich dabei die "Financial Times" mit Facebook. Die Notenbank müsse unterschiedliche Kanäle mit jeweils passenden Informationen bespielen. Die FT lesen viele Fachleute, über Facebook könne die Notenbank aber viel mehr Menschen erreichen.

Auch einen "kulturellen Wandel" innerhalb der Zentralbank müsse es geben, so Carney. So hat die Bank of England die Losung ausgegeben, dass alle internen Memos höchstens sechs Seiten umfassen sollen und Grafiken auch außerhalb der Bank genutzt werden können. Letztlich sollte das Ziel sein, dass die Zentralbank als Institution glaubwürdig und kompetent wahrgenommen wird. "Die Leute haben anderen Dinge zu tun, als sich über Preisstabilität Gedanken zu machen." Nach dem Brexit-Votum im vergangenen Jahr wollte man nur eine einfache Nachricht an die Menschen senden: "Wir sind gut vorbereitet. Das Leben kann weitergehen."

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Thier, Jenni
Jenni Thier
Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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