Apple gegen Trump

„Hass ist ein Krebs“

Von Alexander Armbruster
 - 07:50

Der Vorstandsvorsitzende des derzeit wertvollsten Unternehmens der Welt hat sich klar und deutlich gegen die rassistischen Ausschreitungen in der amerikanischen Stadt Charlottesville am Wochenende positioniert. Und gegen Donald Trump. „Ich widerspreche dem Präsidenten und anderen, die glauben, dass es eine moralische Entsprechung gibt zwischen weißen Rassisten und Nazis und denjenigen, die diesen entgegentreten, in dem sie aufstehen für die Rechte der Menschen“, hat Apple-Chef Tim Cook in einer anrührenden E-Mail an seine Angestellten geschrieben, die dem Internetdienst Recode zugespielt worden ist. Und er fügte dem an: „Beides gleichzusetzen läuft unseren Idealen als Amerikaner zuwider.“

Zugleich kündigte Apple an, zwei Millionen Dollar an Bürgerrechtsgruppen spenden zu wollen, die sich gegen weißen Rassismus einsetzen. Überdies werde der Technologiekonzern zusätzlich noch einmal das Doppelte der Mittel bereitstellen, die seine Mitarbeiter für ähnliche Zwecke spenden. Zudem wolle Apple über iTunes zeitnah eine Option anbieten, mit der Nutzer ebenfalls eine der nun von Apple bedachten Initiativen unterstützen können, das „Southern Poverty Law Center“. Wie der Technikdienst „The Verge“ zudem berichtet, wird Apple in einem damit offenbar zusammenhängenden Schritt seinen Bezahldienst Apple Pay für Internetseiten unverfügbar machen, auf denen rassistische Werbeartikel vertrieben werden.

Washington
Beratungsgremien von Trump werden aufgelöst
© AFP, reuters

„Das hat keinen Platz in unserem Land“

Vor dem Apple-Vorstandsvorsitzenden Cook hatten sich bereits mehrere prominente amerikanische Unternehmenslenker deutlich von Trump distanziert und damit auf dessen Reaktion auf die Ausschreitungen reagiert. Brian Krzanich, der den Chiphersteller Intel führt, Ken Frazier, der den Pharmakonzern Merck leitet und Kevin Plank, der den Sportartikelhersteller Under Armour steuert, traten aus einem Beratergremium Trumps zurück. „Ich trete zurück und will damit Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Gefahr lenken, die die politische Spaltung für wichtige Themen darstellt", schrieb Intel-Chef Krzanich auf seinem Blog. Trump hat infolge der Manager-Rücktritte am Mittwoch zwei Beratergremien komplett aufgelöst – und ist damit ihrem absehbaren Ende offenbar zuvorgekommen.

„Was in Charlottesville geschehen ist, hat keinen Platz in unserem Land“, schrieb Apple-Chef Cook in der Rundmail an seine Mitarbeiter: „Hass ist ein Krebs, und ihn nicht zu kontrollieren zerstört alles auf seinem Weg. Seine Narben überdauern Generationen. Die Geschichte hat uns das gelehrt immer und immer wieder, sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern rund um die Welt.“

Und er wurde noch einmal sehr klar in Bezug auf die Ausschreitungen selbst wie auf die Reaktion darauf. „Die Ereignisse der vergangenen Tage waren sehr verstörend für mich und ich habe von vielen Leuten bei Apple gehört, die traurig, schockiert oder verwirrt sind.“ In dieser Sache gehe es nicht um links oder rechts, konservativ oder liberal, sondern um „menschlichen Anstand und Moral“.

Amerika
Trump betont Schuld beider Seiten für Gewalt in Virginia
© AFP, reuters

Cook selbst hat sich während der bisherigen Amtszeit Trumps durchaus konstruktiv gegenüber dem Präsidenten verhalten, obwohl er – wie die allermeisten Vertreter der Technologiebranche – die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bevorzugt hätte. Cook nahm an mehreren Gesprächsrunden im Weißen Haus teil. Außerdem gibt es Berichte, nach denen er sich in Washingtoner Restaurants insbesondere mit Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner und dessen Frau Ivanka traf, um für seine Vorstellungen zu werben.

Und hier zum Nachlesen die komplette Mail von Tim Cook an die Apple-Belegschaft:

Team,

Like so many of you, equality is at the core of my beliefs and values. The events of the past several days have been deeply troubling for me, and I’ve heard from many people at Apple who are saddened, outraged or confused.

What occurred in Charlottesville has no place in our country. Hate is a cancer, and left unchecked it destroys everything in its path. Its scars last generations. History has taught us this time and time again, both in the United States and countries around the world.

We must not witness or permit such hate and bigotry in our country, and we must be unequivocal about it. This is not about the left or the right, conservative or liberal. It is about human decency and morality. I disagree with the president and others who believe that there is a moral equivalence between white supremacists and Nazis, and those who oppose them by standing up for human rights. Equating the two runs counter to our ideals as Americans.

Regardless of your political views, we must all stand together on this one point — that we are all equal. As a company, through our actions, our products and our voice, we will always work to ensure that everyone is treated equally and with respect.

I believe Apple has led by example, and we’re going to keep doing that. We have always welcomed people from every walk of life to our stores around the world and showed them that Apple is inclusive of everyone. We empower people to share their views and express themselves through our products.

In the wake of the tragic and repulsive events in Charlottesville, we are stepping up to help organizations who work to rid our country of hate. Apple will be making contributions of $1 million each to the Southern Poverty Law Center and the Anti-Defamation League. We will also match two-for-one our employees’ donations to these and several other human rights groups, between now and September 30.

In the coming days, iTunes will offer users an easy way to join us in directly supporting the work of the SPLC.

Dr. Martin Luther King said, “Our lives begin to end the day we become silent about the things that matter.” So, we will continue to speak up. These have been dark days, but I remain as optimistic as ever that the future is bright. Apple can and will play an important role in bringing about positive change.

Best,

Tim

Washington
Beratungsgremien von Trump werden aufgelöst
© AFP, reuters

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Redakteur in der Wirtschaft.
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