Donald Trump

„Ein Präsident, der Terrorismus toleriert“

Von Roland Lindner, New York
 - 03:05

Zwar hatte es schon in den vergangenen Tagen eine Reihe von Top-Managern aus Protest ein Beratungsgremium für Donald Trump verlassen, aber als am Dienstagabend der amerikanische Präsident mit seinen jüngsten Äußerungen zu den gewalttätigen Ausschreitungen in Charlottesville für einen neuen Sturm der Entrüstung sorgt, folgte ein Abgang der heftigen Art: Richard Trumka, der Präsident der Gewerkschaftsvereinigung AFL-CIO, kündigte seinen Rücktritt aus dem „American Manufacturing Council“ an - und fand dabei so drastische Worte wie zuvor noch niemand aus der Gruppe.

Trumka sagte: „Wir können nicht in einem Gremium für einen Präsidenten sitzen, der Bigotterie und inländischen Terrorismus toleriert. Die heutigen Bemerkungen von Präsident Trump verwerfen seine erzwungenen Bemerkungen gestern über den Ku-Klux-Klan und Neonazis.“

Der Gewerkschaftsfunktionär beschuldigte Trump außerdem, es mit dem Beratungsgremium nie ernst gemeint zu haben. „Es ist klar dass das Manufacturing Council von Präsident Trump nie ein effektiver Weg war, um echte Politik zu liefern, die arbeitenden Familien hilft, und seine Bemerkungen heute haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Wir sind diesem Gremium mit der Absicht beigetreten, eine Stimme für die arbeitenden Menschen zu sein, und mit echter Hoffnung, dass es in positiver Wirtschaftspolitik resultiert, aber es ist zu noch einem weiteren gebrochenen Versprechen in Trumps Bilanz geworden. Von hohlen Gremien bis zu schlechter Politik und dem Annehmen von Bigotterie lassen die Handlungen dieser Regierung arbeitende Menschen durchweg im Stich.“

Eine Reihe von Rücktritten

Trumka war das insgesamt fünfte Mitglied aus dem Gremium, das seit Beginn der Woche zurücktrat. Den Anfang machte Kenneth Frazier, der Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Merck & Co., ihm folgten Kevin Plank vom Sportartikelhersteller Under Armour, Brian Krzanich vom Haltleiterkonzern Intel sowie Scott Paul, der einen amerikanischen Industrieverband führt.

Amerika
Trump betont Schuld beider Seiten für Gewalt in Virginia
© AFP, reuters

Die Rücktritte sind eine Reaktion auf Trumps zögerliche Distanzierung von rechtsextremen Gruppen, die die Aufmärsche in Charlottesville organisiert hatten. Trump hatte zunächst nur vage von „Gewalt auf vielen Seiten“ gesprochen. Am Montag übte er in einer abgelesenen Stellungnahme zwar doch direkte Kritik an Extremistengruppen, in einer Pressekonferenz am Dienstag stellte er sich aber wieder auf die Position, dass die Schuld nicht nur auf einer Seite liege.

Bei der Pressekonferenz wurde er auch auf die Rücktritte von Managern aus seinem Gremium angesprochen. Er brachte diese Entscheidungen nicht mit seinen Worten der vergangenen Tage in Verbindung, sondern sagte, die Manager hätten die Gremien verlassen, weil es ihnen „peinlich“ sei, dass sie ihre Produkte außerhalb Amerikas herstellen. Zuvor hatte er am Dienstag schon getwittert: „Für jeden CEO, der aus dem Manufacturing Council austritt, habe ich viele, die ihren Platz einnehmen. Angeber hätten nicht mitmachen sollen. JOBS!“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpCharlottesvilleKu-Klux-KlanTerrorismus