Trump löst Beratergremien auf

Das Ende der Weltklassegruppe

Von Roland Lindner, New York
 - 18:37

Donald Trump stellt sich gerne als Mann der Wirtschaft dar. Um das zu unterstreichen, hat er sich seit seinem Antritt als amerikanischer Präsident gerne mit Vorstandsvorsitzenden prominenter Unternehmen umgeben. Dieses Bild ist seit Mittwochabend nicht mehr so leicht aufrechtzuerhalten, nachdem er zwei mit Top-Managern besetzte Beratergremien mit sofortiger Wirkung aufgelöst hat. Der Schritt stand in Zusammenhang mit Trumps Reaktion auf die gewalttätigen Ausschreitungen in Charlottesville vom vergangenen Wochenende.

Das Ende der Gremien ist vor allem eine symbolische Niederlage für Trump. Es zeigt, dass die Top-Manager, die er hofiert hat, zu ihm auf Distanz gehen. Trump hat diese Gremien mit großen Ankündigungen ins Leben gerufen. Zunächst entstand das „Strategy and Policy Forum“, das ihn in allgemeinen Wirtschaftsfragen beraten sollte. Ihm gehörten Vorstandsvorsitzende wie Mary Barra (General Motors), Jamie Dimon (JP Morgan Chase) und Doug McMillon (Wal-Mart) an. Auf der ersten Sitzung Anfang Februar sagte Trump: „Dies ist wirklich eine Weltklassegruppe.“ Er kündigte an, die Treffen zu einer monatlichen Angelegenheit zu machen. Daneben wurde das „Manufacturing Council“ gegründet, das auf die Stärkung der verarbeitenden Industrie abzielen sollte. In ihm saßen mehr als zwei Dutzend Wirtschaftsvertreter, darunter Vorstandschefs wie Dennis Muilenburg (Boeing), Kenneth Frazier (Merck & Co.) und Michael Dell (Dell).

Allzu viel ist in diesen Gremien aber nicht passiert. Das Manufacturing Council kam nur zu einer einzigen Sitzung zusammen, und das ist fast sechs Monate her. Eines seiner Mitglieder, Richard Trumka von der Gewerkschaftsvereinigung AFL-CIO, sagte in dieser Woche, es habe sein Potential nie ausgeschöpft. „Das einzige, was das Gremium jemals produziert hat, waren Briefköpfe,“ schrieb er in einem Gastbeitrag in der „New York Times“. Auch das Strategy and Policy Forum hat sich nur zwei Mal getroffen, im Februar und im April. Für keines der beiden Gremien waren Sitzungen in naher Zukunft anberaumt.

Auch die Berater wollten nicht mehr

Das Ende der Foren wurde am Montag eingeläutet, als Merck-Chef Frazier seinen Rücktritt aus dem Manufacturing Council bekanntgab. Er reagierte auf Trumps zögernde Distanzierung von rechtsextremen Gruppen wie Neonazis und „White Supremacists“, die die Aufmärsche in Charlottesville organisiert hatten. Trump hatte zunächst nur von „Gewalt auf vielen Seiten“ gesprochen. Zwischenzeitlich schienen sich die Wogen zu glätten, als Trump am Montag in einer Stellungnahme rechtsextreme Gruppen doch direkt verurteilte, und mehrere Vorstandschefs ließen verlauten, sie hielten an ihrer Beraterrolle fest. Das änderte sich aber am Dienstag, als sich Trump in einer Pressekonferenz wieder auf seine ursprüngliche Position stellte, wonach die Schuld für die Geschehnisse nicht nur auf einer Seite liege. Weitere Vorstandschefs kündigten ihren Rücktritt an, die Mitglieder des Strategy and Policy Forum beschlossen in einer Telefonkonferenz, ihre Gruppe ganz aufzulösen.

Noch bevor sie dies verkünden konnten, ging Trump an die Öffentlichkeit, erklärte das Ende der beiden Gremien und stellte dies als seine Entscheidung dar. Er twitterte: „Anstatt Druck auf die Wirtschaftsleute im Manufacturing Council und im Strategy & Policy Forum auszuüben, beendige ich beide. Ich danke Ihnen allen!“ Manche Vorstandschefs wie Alex Gorsky vom Gesundheitskonzern Johnson & Johnson legten Wert auf die Feststellung, sie hätten sich vor Trumps Twitter-Eintrag zum Rücktritt entschieden.

„Ich schäme mich für das Verhalten unseres Präsidenten“

Das Ende der Gremien mag nicht allzu viele praktische Konsequenzen haben, aber es stellt einen bemerkenswerten Riss zwischen dem Präsidenten und der Wirtschaft dar. „In der amerikanischen Geschichte hatten wir noch nie Wirtschaftslenker, die einen nationalen Dienst ablehnen, wenn sie darum vom Präsidenten gebeten werden,“ sagte Jeffrey Sonnenfeld, Wirtschaftsprofessor an der Eliteuniversität Yale, der „New York Times“.

Der Protest aus der Wirtschaft beschränkte sich nicht auf die Mitglieder der Beratungsgremien, auch andere Manager bezogen in deutlichen Worten Position. Mark Bertolini, der Vorstandschef der Versicherungsgruppe Aetna, sagte: „Ich schäme mich für das Verhalten und die Kommentare unseres Präsidenten.“ Tim Cook, der den Elektronikkonzern Apple führt, schrieb in einer Nachricht an die Belegschaft: „Ich stimme nicht mit dem Präsidenten und anderen überein, die glauben, es gibt eine moralische Gleichstellung zwischen White Supremacists und Nazis und denjenigen, die sich ihnen entgegenstellen, indem sie für Menschenrechte eintreten.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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