So kommt Ordnung in die Wohnung

Von ANNE-CHRISTIN SIEVERS
Foto: Picture Alliance

07.02.2018 · Mit Aufräumen allein ist es oft nicht getan. Home Stagerin Cornelia Reichel verrät, dank welcher Kniffe das Zuhause besser aussieht.

H ilfe, gleich kommen die Freunde zu Besuch! Schnell die losen Papiere gestapelt, die herumliegenden Klamotten in den Schrank gestopft und den Krimskrams in die Schubladen, die Kissen aufgeschüttelt und den Couchtisch von Tassen und Tellern befreit. Doch selbst wer es im Schweiße seines Angesichts schafft, das meiste verschwinden zu lassen, stellt oft enttäuscht fest: Irgendwie macht das Wohnzimmer trotzdem einen unruhigen, kuddelmuddeligen Eindruck. Beim befreundeten Pärchen ist das ganz anders. Bei ihnen sieht die Wohnung immer picobello aus, die Räume wirken harmonisch, klar und eben aufgeräumt. Wie machen die das nur?

Wen diese Frage umtreibt, der tut vielleicht gut daran, sich ein paar grundsätzliche Gedanken in Bezug auf die eigenen vier Wände zu machen. Der Elan des noch jungen Jahres lässt sich hervorragend nutzen, um wieder eine klare Linie in die Wohnung zu bringen. Und das sei gar nicht so schwer, wenn man ein paar einfache Grundregeln beherzige, behauptet Cornelia Reichel. Die Augsburgerin ist Home Stagerin, das heißt, sie berät Hausbesitzer, wie diese ihre Immobilie verkaufsträchtig in Szene setzen. Von den Erfahrungen der Fachfrau profitiert aber ebenso, wer seinem Zuhause neuen Schliff verpassen möchte.

Reichel zufolge gehen viele Menschen schon grundfalsch an die Gestaltung ihrer Wohnung heran: „Die meisten schauen, was sie haben, und denken, sie müssten alles irgendwie unterbringen“, benennt die Home Stagerin das Hauptproblem. „So stehen bei ihnen einfach zu viele Dinge herum, die obendrein stilistisch und farblich nicht zueinander passen.“ Sei es, weil zwei Leute zusammenziehen und ihre Sachen durcheinanderwürfeln oder weil man die geerbte Truhe von Tante Elsbeth, die natürlich bei eventuellen Besuchen prominent plaziert werden muss, mit den wildesten Urlaubsmitbringseln kombiniert. „Das muss man erst mal alles auf einen Nenner bringen.“

Ein klares Farbkonzept, hier in Rot, bringt neuen Schwung in das zuvor blasse, strukturlose Zimmer. Fotos: Cornelia Reichel

Auch buntgemusterte, große Couchgarnituren oder verschnörkelte Schrankwände wirken unruhig und passen oft nicht zum Rest. „Weniger ist hier oft mehr“, urteilt die Fachfrau, „dann kommen die einzelnen Stücke besser zur Geltung.“

Oft fehlt den Zimmern, die man als unaufgeräumt empfindet, eine Grundstruktur, an der man sich orientieren könnte. Sie werden von den Bewohnern etwa für verschiedene Zwecke zugleich genutzt, sind Wohnzimmer und Büro in einem, ohne dass aber die unterschiedlichen Bereiche optisch klar voneinander abgetrennt sind.

Die Expertin rät: zurück auf null, den ganzen Raum ausräumen. Und überlegen: „Was ist das für ein Zimmer, wofür möchte ich es nutzen, welche Atmosphäre soll es haben, und wie viele Personen halten sich hier auf?“ Dann legt man fest, welche Struktur der Raum haben soll und was notwendigerweise vorhanden sein muss, damit er seine Funktion erfüllt: wie Schreibtisch mit Laptop, Stuhl und Regal im Arbeitszimmer, ein Sofa, ein Couchtisch, ein Fernseher im Wohnzimmer, Bett und Kleiderschrank im Schlafzimmer. Auch Teppiche können helfen, die Fläche zu strukturieren. Sie bilden einen Rahmen im Raum, durch den sich im Zimmer etwa der Ess- vom Wohnbereich trennen lässt.

Vorher verwirren gemusterte Tagesdecke und Baldachin den Blick, nachher kommen schöne Details viel besser zur Geltung. Fotos: Cornelia Reichel

Hat Reichel alles Notwendige untergebracht, kümmert sie sich erst ganz am Schluss um die Dekoration. „Was würde dem Raum oder dem Möbelstück noch guttun? Was passt jetzt in diese Ecke?“, fragt sie sich dann. „Wenn es dem Raum guttut, tut es einem selbst letztendlich auch gut.“ Ein strukturiertes Zimmer mit wohldosierter Deko entspannt das Auge, wirkt gemütlicher – und hilft dem Bewohner, sich darin wieder zurechtzufinden. Alles Überflüssige wird aussortiert, weitergegeben oder weggeworfen.
Leichter gesagt als getan.

Wie viele Accessoires oder welche zusätzlichen Möbelstücke sich eignen, komme ganz auf die Raumgröße und -nutzung an, sagt Reichel. Die Proportionen müssen stimmen: „Es bringt nichts, wenn ich ein winziges Möbel in einen riesigen Raum stelle, genauso wenig in einen kleinen Raum ein überdimensioniertes Stück.“ Müssen sowieso schon viele Utensilien oder Arbeitsgeräte untergebracht werden, wie etwa Kosmetik und Zahnbürste im Bad oder Kaffee-, Küchen- und Brotschneidemaschine in der Küche, sollte man nicht mehr viel dazustellen. Kann die Kommode oder die Fensterbank noch Accessoires vertragen, kombiniert man am besten zwei oder drei Teile zu einem Ensemble, je nach Größe der Dekostücke.

Mit wenigen Accessoires an der richtigen Stelle wie Bildern und Kerzenleuchtern lässt sich die Wirkung eines Raumes komplett verändern. Fotos: Cornelia Reichel

Auch die Haptik ist entscheidend: „Es ist immer schön, mit verschiedenen Materialien zu spielen, sie zu variieren.“ Sind die meisten Kissen aus einem glatten Stoff, können sich ruhig ein paar kuschelige dazugesellen. Egal ob man Bilder, Blumenvasen oder Kerzenleuchter anordnet, eine Regel gilt es sich zu merken: „Man sollte sich eine Eigenschaft heraussuchen, die alle zusammen arrangierten Gegenstände gemeinsam haben, so entsteht eine optische Einheit“, rät die Einrichtungsfachfrau. „Die anderen Merkmale können sich voneinander unterscheiden.“ So sind vielleicht alle Bilder gleich groß, oder die Rahmen haben dieselbe Farbe, es sind nur Zeichnungen oder nur Ölgemälde.

Apropros gemalt, im Umgang mit Wandfarben mahnt Reichel zur Vorsicht, vor allem in kleinen Wohnungen: „Die Wandfarbe ist immer eine starke Aussage. Je nachdem, wie hell oder dunkel sie ist, kann sie den Raum und seine Wirkung komplett verändern“, sagt die Home Stagerin. Während es sich im Schlafraum empfehle, eher beruhigende Farben zu wählen, dürfe das Wohnzimmer oder das Büro, in dem frische Eindrücke auch kreative Einfälle fördern, ruhig etwas lebhafter wirken. Eine dunkle Farbe schluckt immer Fläche, unter Umständen lässt sie ein kleines Zimmer noch winziger aussehen – sehr dunkle Möbel haben übrigens einen ähnlichen Effekt. Um einen länglichen Raum optisch zu verkürzen, eignen sich dunkle Nuancen an den kurzen Zimmerseiten hingegen gut. Dafür machen helle Töne das Zimmer größer und weiter. „Deshalb ist es sehr wichtig, Dachschrägen und die Decke, die ja bei den meisten nicht höher als 2,60 Meter ist, möglichst hell zu streichen.“

Ohne Stofftier, Staubsauger und Co. wirkt das Schlafzimmer gleich viel ansprechender. Fotos: Cornelia Reichel

Beim Home Staging gestaltet Reichel große Flächen so neutral wie möglich und verwendet dazu meist dezente Wandfarben wie Weiß, Eierschale, Creme. Bunte oder gemusterte Akzente setzt sie vor allem durch Accessoires, mit Vorhängen, Kissen, Decken, Tischdecken und Kerzen. „So kann man die Farbgestaltung schnell wieder verändern, wenn sie einem nicht mehr gefällt – ohne dass man gleich die ganze Wohnung neu streichen muss.“

Vieles kann man vom Home Staging fürs eigene Zuhause lernen, doch manches lässt sich in den eigenen vier Wänden nicht umsetzen. „Die Bäder und Küchen sind im Home Staging weniger realistisch und eher angelehnt an ein Hotelbad oder ein Werbeprospekt“, sagt Reichel. „Normalerweise steht bei den meisten Leuten viel mehr herum, das geht zum Teil auch nicht anders.“ Häufig beließen die Bewohner aber etwa Kosmetika in unansehnlichen Plastikbehältern aus dem Supermarkt, das müsse nicht sein. Deshalb füllt die Expertin offen herumstehende Pflegeprodukte in schöne kleine Kristallbehälter, die das Bad schmücken.

Ein weißer Überwurf, der das gemusterte Sofa verdeckt, neue Vorhänge, Kissen und Tischdecken verleihen dem Wohnzimmer eine einheitliche Optik. Fotos: Cornelia Reichel

Reichel hat auch noch einen Trick parat, wie der Esstisch, auf dem im Alltag besonders gern Post, Kugelschreiber und Papierkram landen, aufgeräumt bleibt: „Ich stelle einfach eine große Obstschale, einen schönen großen Blumenstrauß oder Ähnliches in die Mitte, das den Platz einnimmt“, sagt sie. „Dann bin ich nicht mehr so versucht, den Tisch als Ablage für alles Mögliche zu benutzen.“ Und was ist mit den vielen Kleinigkeiten, die ihren richtigen Ort in der Wohnung partout nicht finden wollen? Zur Grundstruktur eines Zuhauses gehört laut Home Stagerin Reichel auch, dass jeder Gegenstand darin seinen festen Platz hat. Und an diesen wandert er möglichst sofort zurück, wenn man ihn nicht mehr braucht – auch wenn das viel Disziplin erfordert. Was dennoch übrig bleibt, ist vielleicht auf Dauer woanders besser aufgehoben: in der Mülltonne.

Quelle: F.A.S.