Fallende Immobilienpreise

Wenn das eigene Haus immer weniger wert ist

 - 16:28

Ein Einfamilienhaus für nur 70.000 Euro? Großer Garten, ein See in der Nähe? Gibt es. Wirklich! Man muss nur nach Vöhl in Nordhessen gehen, oder nach Wittmund in Ostfriesland oder Gardelegen in der Altmark. Wer in Inseraten stöbert, erkennt bald: In Deutschland herrscht nicht überall Immobilien-Boom.

Es gibt viele Orte - auf dem Land, in Kleinstädten - da zucken die Leute mit den Schultern, wenn sie Wörter hören wie Wohnungsnot, Mietwucher und Verdrängung. Sie blicken auf ihr Haus und machen sich Sorgen, weil dessen Wert immer weiter sinkt.

Unter anderem lässt es so manchen Lebensplan Makulatur werden. „Die Hoffnung war bei vielen: Ich verkaufe mein Haus für 200.000 Euro und kaufe mir eine Wohnung in der nächsten Stadt.“, sagt der Soziologe Rolf Heinze. Das funktioniere gut in Städten wie Münster, aber nicht etwa in Regionen wie dem Südharz.

In München kann ein Bauplatz 100-mal so viel kosten wie im Osten

Im Osten und anderen strukturschwachen Regionen verschärfen andere Faktoren die Probleme. Nach Jahren der Arbeitslosigkeit bekämen Bewohner oft keinen Kredit, um ihr Haus für das Alter umzubauen. In einer ungünstigen Region sei eine Immobilie als Altersvorsorge daher nicht zu empfehlen.

„Sie haben Märkte, die haben seit 2010 Preissteigerungen von 80 und 90 Prozent und sie haben Märkte, da ist praktisch gar nichts passiert“, bilanziert Franz Eilers, Immobilienexperte von VDP Research, einer Einrichtung der Pfandbriefbanken und Volks- und Raiffeisenbanken. Berücksichtige man die steigenden Verbraucherpreise, haben auf dem Land viele Häuser und Wohnungen in den vergangenen Jahren real an Wert verloren.

In München kann ein Bauplatz 100-mal so viel kosten wie in Teilen Ostdeutschlands, wo mancherorts jede zehnte Wohnung leersteht. Wer in Bayerns Hauptstadt eine Wohnung mietet, zahlte nach Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung letztes Jahr 16,65 Euro je Quadratmeter - in Wunsiedel im Fichtelgebirge und in Holzminden im Weserbergland waren es 4,50 Euro.

Manche Kleinstadt-Bürgermeister verschärfen nach Expertenmeinung den Preisverfall. „Wir bauen zu viel auf dem Land“, sagt Ralph Henger, Volkswirt am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Mit Bauland zu Dumpingpreisen lieferten sich schrumpfende Gemeinden einen ruinösen Wettbewerb. Jedes dritte Neubaugebiet sei langfristig unwirtschaftlich. Das geplante Baukindergeld werde die Zersiedelung noch verstärken.

Besser sei es, wenn Städte Familien fördern, die in leerstehende Häuser im Ortskern ziehen oder an deren Stelle neu bauen. Einige Gemeinden in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen probierten dies bereits.

Aus Sicht des Instituts könnten Bauplätze auf dem Land auch durch einen Zertifikatehandel beschränkt werden. Vereine und Initiativen, die historische Häuser in Ortskernen retten, sollten durch Bürgerfonds unterstützt werden.

Allerdings wirkt eine solche Politik auch problemverschärfend, weil sie den Zuzug in regionale Zentren und Metropolen fördert und ländliche Regionen als Entlastung an Bedeutung verlieren.Unter diesen Umständen kann auch ein für eine Kommune unwirtschaftliches Neubaugebiet eine andere entlasten. Wichtig ist allerdings, dass Neubaugebiete nicht am Ende leerstehen und die Preise angemessen bleiben.

Nicht zuletzt ist ein Eigenheim auch eine Mischung aus Investition und Konsumgut, denn schließlich wird es auch „abgewohnt“.

Quelle: dpa/mho.
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