Erdbeobachtung 4.0

Wie warm sind die Meere?

Von Manfred Lindinger
 - 10:30

Die Flotte der europäischen Erdbeobachtung-Satelliten der Sentinel-Reihe ist komplett. Am Mittwochabend ist um 19.57 Uhr deutscher Zeit der vorerst letzte der insgesamt sieben Wächtersatelliten ins All gestartet. „Sentinel-3B“ hob an Bord einer russischen Rockot-Trägerrakete vom Kosmodrom Plessezk im Nordwesten Russlands ab. Anderthalb Stunden später erreichte der künstliche Himmelskörper seine polare Umlaufbahn in 815 Kilometern Höhe und sendete erste Signale. Mit dem Routinebetrieb soll in fünf Monaten begonnen werden.

„Sentinel-3B“ ergänzt den vor zwei Jahren gestarteten baugleichen „Sentinel-3A“. Beide Satelliten gehören zum europäischen Erdbeobachtungs- und Umweltüberwachungsprogramm „Copernicus“. Sie liefern in kurzen Abständen frische Daten über Temperatur und Farbe der Ozeane und Höhe des Meeresspiegels. Die Farbe des Meeres beispielsweise erlaubt Schlüsse auf die Sättigung des Meerwassers mit Sauerstoff und auf in den Ozeanen vorhandene Biomasse oder auf eine einsetzende Algenblüte. Das Satellitenduo überwacht zudem die Dicke des Meereises und registriert jede Veränderung, etwa durch eine einsetzende Eisschmelze, ausgelöst durch den Klimawandel.

Fataler Programmierungsfehler

Die beiden Zwillingssatelliten erfassen auch Landmassen und sammelt Informationen darüber, wie dicht oder ausgedünnt die Vegetation in bestimmten Regionen geworden ist, etwa im Zuge von Waldbränden oder Flächenrodungen. Die Beobachtungsdaten ergänzen die Messungen der seit einigen Jahren um die Erde kreisenden beiden Satelliten-Zwillingspaare „Sentinel-1“ (gestartet 2014 und 2016) und „Sentinel-2“ (gestartet 2015 und 2017). Der Kundschafter „Sentinel-5P“ überwacht seit dem vergangenen Jahr die Atmosphäre.

Mit dem Start von Sentinel-3B ist zugleich eine Raumfahrt-Ära zu Ende gegangen: Die Rockot-Trägerralete, eine für zivile Nutzung umgebaute Atomrakete des sowjetischen Typs SS-19 Stiletto, startete zum letzten Mal. Das europäisch-russische Projekt wird nach 18 Jahren und 27 Starts eingestellt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist 1995 das Unternehmen Eurockot gegründet worden, um die ausrangierten Raketen zu nutzen und dem damals verarmten russischen Militär eine Einnahmequelle zu eröffnen. Von westlicher Seite war das Unternehmen „Daimler Benz Aerospace“ beteiligt, das später im Airbus-Konzern aufging. Nach mehreren Tests zeigte die Rockot im Jahr 2000, dass sie Satelliten sicher in den Weltraum tragen kann. Die 29 Meter hohe, um eine dritte Stufe erweiterte Rakete erwies sich als zuverlässig.

Es gab nur eine Panne. Im Jahr 2005 schlug der Start mit dem Esa-Klimasatelliten „Cryosat“ fehl. Die Rakete stürzte ins Polarmeer, weil bei der Programmierung der Steuerung zwei Jahre zuvor ein Fehler eingebaut worden war. Er blieb durch alle Tests unentdeckt.

Quelle: F.A.Z.net/dpa, Esa, mli
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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