FAZ plus ArtikelSir Robert Watson im Gespräch

„Klima und Natur in die Verfassung – das wäre ein Riesenschritt“

Von Joachim Müller-Jung
 - 18:44
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Sie betonen oft, wie eng verbunden die Klimakrise mit der Krise der Lebensvielfalt auf dem Planeten ist. Trotzdem werden die beiden Entwicklungen politisch immer noch behandelt, als würden sie nebeneinander ablaufen. Es gibt den großen Weltklimarat und den Weltbiodiversitätsrat, der hier im Senckenberg-Museum tagt, und daneben noch viele andere UN-Apparate, die sich mit der Verwüstung des Planeten beschäftigen. Ist es nicht längst Zeit, da aufzuräumen?

Sie legen den Finger in eine offene Wunde, leider. Es fängt bei den Regierungen an. Die Ministerien schotten sich gegenseitig ab, die Zuständigkeiten sind oft zu strikt verteilt. Offensichtlich haben wir zwei große völkerrechtliche Konventionen, die Klima- und die Biodiversitätskonvention, die sicher inhaltlich miteinander verbunden sind. Leider ist die Situation in den Vereinten Nationen nicht viel anders. Die Fragmentierung der politischen Strukturen aufzulösen ist eine gewaltige Herausforderung. Leider sind die Strukturen oft furchtbar alt. Ein Beispiel ist das amerikanische Innenministerium. Um das Jahr 1900 hat es das Mandat bekommen, die natürlichen Ressourcen zu schützen, und gleichzeitig ist es für die Ausbeutung der natürlichen Ursachen zuständig geworden. Und je nachdem, wer gerade Innenminister ist, konzentriert man sich im Ministerium entweder auf die Schutzaufgabe oder die Ausbeutung.

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Der Öko-Leitwolf

Sir Robert Watson ist seit einem Jahr Vorsitzender des Weltbiodiversitätsrats IPBES, dessen Sekretariat in Bonn eingerichtet wurde. Kein Forscher hat in der Politikberatung mehr bewirkt als der Brite. Der eloquente Biochemiker war Chefwissenschaftler der Weltbank und in der Nasa sowie Berater im Weißen Haus. An der Spitze des Weltklimarats IPCC hatte er 2001 verkündet, dass der Klimawandel real sei. Danach beendete Präsident Bush seine Karriere als IPCC-Chef.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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