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Der mühsame Weg zur Gleichberechtigung

Von Sibylle Anderl
 - 10:34
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Unsere Urururururenkelinnen werden Grund zur Freude haben: Im Jahr 2276 ist damit zu rechnen, dass in der physikalischen Forschung Gleichberechtigung eingekehrt sein wird. Auf den leitenden Positionen der Physikinstitute werden dann endlich so viele Frauen wie Männer zu finden sein. Das behaupten zumindest Luke Holman, Devi Stuart-Fox und Cindy Hauser von der Universität Melbourne in einer vergangene Woche erschienenen Veröffentlichung. Die australischen Biologen nutzten Methoden der Big-Data-Analyse, um die Publikationsdatenbanken PubMed und arXiv nach Anzeichen der „Gendergap“, der geschlechtsspezifischen Ungleichheit unter Forschern, zu untersuchen. Dafür durchforsteten sie mehr als 10 Millionen Veröffentlichungen aus den MINT-Disziplinen und der Medizin, die in den vergangenen 15 Jahren von 36 Millionen Autoren aus mehr als hundert Ländern verfasst wurden. Ihr besonderes Augenmerk lag auf den entscheidenden Positionen in der Liste der Autoren: Der erste Platz ist meist jungen Wissenschaftlern vorbehalten, denen am Anfang ihrer Karriere die Leitung einer Forschungspublikation übertragen wird. Der letzte Platz wird dagegen häufig von erfahrenen Wissenschaftlern belegt, die das Projekt als Betreuer begleiten (die Ergebnisse können online hier interaktiv eingesehen werden).

Die Biologen fanden, dass der Anteil weiblicher Erstautoren in fast allen Disziplinen deutlich oberhalb des allgemein im Feld herrschenden Geschlechterverhältnisses lag – am Anfang der Forschungskarriere sind Frauen noch zahlreich in den MINT-Fächern vertreten. Auf den meist Senior-Forschern vorbehaltenen Plätzen sind Frauen aber nach wie vor stark unterrepräsentiert, wie die Analyse zeigte. Besonders ausgeprägte Unterschiede zwischen Männern und Frauen fanden die Wissenschaftler in Japan, Deutschland und der Schweiz. Generell scheinen es Frauen gemäß der Studie in Ländern mit einem höheren Pro-Kopf-Einkommen überraschenderweise schwerer zu haben, die wissenschaftliche Karriereleiter zu erklimmen. Für eine modellbasierte Abschätzung der Dauer, bis eine Gleichverteilung zu erwarten ist, nutzten die Autoren die festgestellten Änderungsraten des Anteils weiblicher Autoren in den verschiedenen Disziplinen. Der Anstieg des Frauenanteils war dabei in denjenigen Fächern am langsamsten, in denen es am stärksten an erfolgreichen Frauen mangelt.

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Quelle: F.A.Z.
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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