Ferne Weihnachtsgrüße (3)

Roter Rudolph fährt vors blaue Haus

Von Joachim Müller-Jung
 - 10:19
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Hoch im Norden, auf der Inselgruppe Spitzbergen, norwegisch: Svalbard, steht die nördlichste Siedlung der Welt – Forschungsbasis für elf Länder. Das „blaue Haus“ ist Domizil der deutschen Arktis-Station des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und seit 14 Jahren auch der französischen Polarforscher. Die AWIPEV-Station wird seit 26 Jahren quasi rund um die Uhr mit drei Leuten betrieben. Ausnahmslos jeden Tag werden seither von der Ballonrampe aus Wetterballons gestartet, dazu zweimal wöchentlich Ballons zur Ozonsondierung, die bis in die Stratosphäre in mehr als dreißig Kilometern Höhe aufsteigen. Weihnachten wird keine Ausnahme gemacht.

„Einer von uns hat immer Dienst“, sagt Stationsleiter Piotr Kupiszewski. Auch an Heiligabend wird also der Ballon steigen, dazu werden die Unterwasserintrumente gecheckt, die ebenfalls zum reichhaltigen Umweltforschungsprogramm der Station gehören. Feierlich wird es zum ersten Mal in der „Alten Scheune“ im Dorf, wenn das Gastgeberland Norwegen zum Heiligabendbrunch die traditionelle Weihnachtshafergrütze serviert. Die etwas mehr als zwei Dutzend internationalen Polarforscher im Dorf, die den dunklen Winter auf Ny Alesund verbringen (im Sommer sind es viermal so viel), werden später allesamt mit einem roten Bulldozer „Rudolph“ eingesammelt und zum Weihnachtsdinner in die festlich geschmückte „Kantine“ gebracht. Zwischen selbstgebastelten Adventskalendern und Rentierattrappen machen sie es sich in der „Zeppelin Lounge“ im Norweger-Style – mit offenem Kamin und dem Weihnachtsmannbesuch zu später Stunde – gemütlich.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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