Ferne Weihnachtsgrüße (9)

Weihnachtslieder für den Südpol

Von Sibylle Anderl
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Die größte Forschungsstation der Antarktis ist die amerikanische McMurdo-Station. An der Südspitze der Ross-Insel gelegen, ist sie im Sommer oft schneefrei. Rund 1000 Menschen bevölkern dann die Station, wobei die meisten davon für deren Betrieb verantwortlich sind. Etwa ein Drittel der Bewohner ist an verschiedensten wissenschaftlichen Programmen beteiligt, viele machen Zwischenstation in McMurdo, bevor sie zu ihren Experimenten tiefer in der Antarktis weiterreisen.

Die kanadische Astronomin Laura Fissel hat in McMurdo schon zweimal Weihnachten verbracht. Als Doktorandin half sie dort 2010 und 2012, das im Submillimeter-Bereich des elektromagnetischen Spektrums beobachtende Ballonteleskop BLASTPol zu montieren und zu betreiben. Der Ballon benötigt ein besonderes Windmuster, das ihn einmal um den Südpol bewegt, ohne auf das Meer abzudriften. Gleichzeitig muss die Sonne so am Himmel stehen, dass das Teleskop die interessantesten Sternentstehungsregionen beobachten kann. Diese beiden Bedingungen führen dazu, dass die optimalen Startbedingungen für den Ballon genau an Weihnachten herrschen.

Alle Menschen sind miteinander verbunden

Laura Fissel war bei beiden Aufenthalten Mitglied des McMurdo-Weihnachts- chors. „Das schönste Erlebnis war, als wir zur Radiostation gegangen sind, über die mit anderen Field-Camps kommuniziert wird. Wir haben Weihnachtslieder für die 1600 Kilometer entfernte Südpolstation gesungen, und sie haben welche für uns gesungen.“ Das habe ihr noch einmal verdeutlicht, wie isoliert die Camps auf einem Kontinent seien, auf dem es nicht viel anderes als Schnee und Eis gebe, dass aber gleichzeitig alle Menschen dort miteinander verbunden seien.

Der Chor singt auch bei der großen Weihnachtsfeier, bei der es hauptsächlich Tiefkühlessen gibt, denn frisches Essen ist besonders im Sommer, wenn das Eis der Flughafenlandebahnen zu weich für große Flugzeuge und häufige Flüge geworden ist, Mangelware. Jedes Jahr gibt es auf der Feier auch einen Weihnachtsmann, bei dem man sich etwas wünschen kann. Laura wünschte sich bei ihrem ersten Aufenthalt gutes Wetter für ihren Ballonstart am zweiten Weihnachtstag – und bekam den Wunsch prompt erfüllt. Im kommenden Jahr plant sie, zum dritten Mal Weihnachten in der Antarktis zu verbringen. Auf jeden Fall wird sie Santa dann wieder um gutes Flugwetter für ihren Ballon bitten.

Quelle: F.A.Z.
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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