Aber bitte mit Bildchen

von ANDREAS FREY

22.08.2017 · Jetzt weiß auch der Duden, was Emojis sind. Doch die Bilder sind nicht das Einzige, was aus der Digitalwelt in die Schriftsprache vordringt. Wird sie sich dadurch verändern?

W er heute nicht als digitaler Neandertaler gelten will, der setzt ein Emoji. Ein Gesicht vielleicht, aber möglichst ein passendes. Das gute alte Smiley bietet sich an oder sein Verwandter mit dem zwinkernden Auge, das Freudentränen-Gesicht für besonders fröhliche Naturen und das mit der Sonnenbrille für solche, die ihre Emotion lieber verbergen. Textet man jemandem weiblichen Geschlechts, können es ruhig auch zwei oder drei Emojis sein, ja die Zahl der Bildchen darf die der Buchstaben mitunter übersteigen. Nur Herzchen sollte man vorerst vermeiden, als Mann zumindest. Sonst drohen Missverständnisse.

Die größte Herausforderung für Sprachpuristen ist allerdings der Telegrammstil, der sich bei Whatsapp, Twitter und Snapchat immer mehr durchsetzt. Dafür eignen sich vorwiegend Ellipsen. „Was machst Wochenende“ reicht völlig aus, um verstanden zu werden. Funktional ist auch das Auslassen von Präpositionen und Artikeln wie bei „Treffen wir uns Bahnhof“, das wiederum im sogenannten Kiezdeutsch gipfelt, weil das Türkische und Arabische in solchen Konstruktionen keine Präpositionen und Artikel kennen. Formulierungen wie „Gehma Biertrinken“ oder noch einfacher „Gehma“ plus Bier-Emoji sind dann nur konsequent.

Viele Deutsche finden solche Entwicklungen einfach nur grausam. Von einem Bildungsnotstand ist die Rede, vor dem Verfall der deutschen Sprache wird gewarnt. So mancher ist davon überzeugt, dass das Internet unsere schöne Sprache kaputtmacht und unsere Kinder verblödet. Gleichzeitig bemühen sie sich, den Status quo zu erhalten. Sie haben in der Schule – selbst häufig mit großer Mühe – ein Deutsch gelernt, das sie für das beste halten. Gemeint ist Hochdeutsch oder Schriftdeutsch. Im Gegensatz zu den Dialekten ist es verschriftlicht und lässt sich daher in offiziösen Wörterbüchern und Grammatiken nachschlagen. Mit diesem kodifizierten Deutsch meint so mancher nun sich über andere erheben zu können, die nicht genau dasselbe Deutsch sprechen und schreiben. Allerdings steht ihnen ein mächtiger Gegner gegenüber – die Wirklichkeit nimmermüder Smombies, die auf Regeln pfeifen und die ganze Aufregung nicht verstehen: Ey, checkt erstma wie mensch heute schreibt !!!!!

Die Frage, wie das digitale Schreiben unsere Sprache verändert, ist allerdings keine, die nur Sprachpuristen beschäftigt. Aus ganz akademischem Interesse versuchen Linguisten seit bald zwei Jahrzehnten herauszufinden, worin die Eigenarten des digitalen Schreibens bestehen und wie sie sich auf die deutsche Sprache längerfristig auswirken.

Mit eindeutigen Antworten tun sich allerdings auch die Sprachwissenschaftler schwer. Deutlich wurde das zuletzt Anfang Juni in Hamburg, als die Universität der Hansestadt zu einer Konferenz ins schicke Warburg-Haus an der Alster einlud. Das Symposion „Register des digitalen Schreibens“ war auch der Versuch, wie das ein Linguist formulierte, aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft endlich auszubrechen, um nicht überflüssig zu werden. Das gelang allerdings nur teilweise. Besonders gut glückte es der Züricher Linguistin Christa Dürscheid. Ihr Vortrag gab einen Überblick über das digitale Schreiben, wie man es ausführlich in ihrem, zusammen mit einer Kollegin verfassten und für jedermann verständlichen, Buch „Schreiben digital“ nachlesen kann. Dürscheid möchte von einem breiteren interessierten Publikum verstanden werden, was in ihrer Branche leider nicht immer selbstverständlich ist. Die Kollegen von der Soziolinguistik zum Beispiel wohnen im Elfenbeinturm immer noch weit oben, wie das Hamburger Treffen wieder einmal bestätigte.

Seit fast zwanzig Jahren forscht Christa Dürscheid nun über die sprachwissenschaftlichen Phänomene des digitalen Zeitalters. Sie untersucht Einträge in sozialen Netzwerken und Internetforen und beobachtet das Online-Verhalten ihrer Mitmenschen. „Das digitale Schreiben umfasst heute einen großen Teil unserer Alltagskommunikation“, sagt sie. Es ersetze sogar immer häufiger das persönliche Gespräch. Telefon, Flurfunk – alles out. Aus Sicht der Sprachwissenschaftlerin leben wir damit in besonders spannenden Zeiten. Man muss nur die Augen öffnen, um den Umbruch zu erkennen, den die Digitalisierung in unseren Kommunikationskulturen verursacht. Die Menschen schauen Dutzende Male pro Tag auf ihr Handy, tippen und wischen, bis sie beim Gehen gegen Laternenmasten knallen. Viele Zeitgenossen trennen sich überhaupt nicht mehr von ihrem Smartphone und sind dadurch jederzeit mit ihren Kontakten verbunden. Die Kommunikation in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter verlagert das private Gespräch in die Öffentlichkeit.

„Dadurch bilden sich neue Schreibstile heraus“, sagt Dürscheid. Sie haben den Charakter eines mündlichen Dialogs, sind impliziter, unmittelbarer. Ihr vielleicht wichtigstes Merkmal ist die Informalität, mit der sie gebildet werden. Dabei handelt es sich um bewusste oder unbewusste Regelverstöße, wie sie nach drei Jahrhunderten fortgesetzter Normierung der deutschen Sprache vielleicht eine überfällige Gegenbewegung darstellen. Wer heute gegen Sprachregeln verstößt, ist damit also keineswegs automatisch dumm und ungebildet, sondern womöglich kreativ. Und gerade wer absichtsvoll gegen Regeln verstoßen will, der beherrscht sie in der Regel auch.

Tatsächliche Rechtschreibschwächen hingegen werden auch und gerade im Netz sofort identifiziert und gegebenenfalls sanktioniert. Ein Text kann auch im digitalen Zeitalter noch so klug sein – verstößt er unbeholfen gegen Orthographie oder Grammatik, wird sein Inhalt entwertet. Wer „nähmlich“ schreibt, muss auch in der digitalen Sphäre damit rechnen, für dämlich gehalten zu werden. Dann kann sich die ganze Herzchen-Blink-Blink-Welt in Sekundenschnelle in einen Sturm aus Emojis mit Kackgesichtern verwandeln.

Vor den dümmsten Fehlern bewahren einen heute zum Glück Autokorrekturprogramme. Aber zu welchem Preis? Bereits Friedrich Nietzsche erkannte an einer der ersten Schreibmaschinen, dass „unser Schreibzeug mit an unseren Gedanken arbeitet“. Heute arbeiten die Computer nicht nur mit, sie lesen mit, sie formulieren mit, sie zwingen uns bisweilen andere Schreibungen auf, als intendiert waren, und können so Wörter und Sätze mit ungewolltem Sinn in die Welt setzen. Oder anders ausgedrückt: Unbedacht angewandt, entmündigen sie uns und berauben uns gerade der Kulturtechnik, die vor allem eine Wissensgesellschaft erst möglich gemacht hat.

Auf welche Weise die Menschen tippen, löschen, korrigieren und Emojis auswählen, entzieht sich gegenwärtig noch der linguistischen Betrachtung. Denn was die Sprachforscher gemeinhin analysieren, ist meist nur das ins Reine getippte Ergebnis. Ebenfalls unklar ist, wie die Phänomene des digitalen Schreibens bezeichnet werden sollen. Die ungarische Linguistin Ágnes Veszelszki hat hierzu in diesem Sommer einen Vorschlag unterbreitet, indem sie gleich ein ganzes Buch über das Thema schrieb: Es heißt „Digilect“. Gibt es neben dem Dialekt, dem Soziolekt, dem Idiolekt also auch eine originäre digitale Sprachvarietät?

Nach der Analyse von Texten ungarischer Schüler sieht Veszelszki gute Gründe dafür. In Ungarn sei der Begriff bereits etabliert, teilt sie mit. Und verglichen mit vordigitalen Zeiten, habe sich tatsächlich etwas verändert. „Die früher relativ eindeutigen Normen der schriftlichen Kommunikation sind im digitalen Bereich loser geworden“, sagt sie. „Die Grenze zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit scheint zu verschwimmen.“ Konkret sieht es danach aus, als schreibe man heute immer häufiger, wie man spricht. Für Veszelszki ist der Digilekt daher eine neue Stilvariante.

Wie die anderen Varianten des Deutschen gilt allerdings auch der Digilekt als minderwertig. Dialektsprecher werden das kennen: Wer Mundart verwendet, gilt als altmodisch und dumm. Dabei sind Bairisch, Alemannisch und Plattdeutsch ursprünglicher; Hochdeutsch ist nur eine Setzung, eine Vereinbarung darüber, welcher Dialekt als Hochsprache dienen soll. Das Ansehen des Hochdeutschen und die Institution des Dudens führen allerdings dazu, dass die meisten Deutschen ihre Sprache als etwas Statisches ansehen, das stets eindeutig und festgelegt sein sollte. Regeln geben Halt, und Rechtschreibfehler kann man leichter identifizieren als Denkfehler. Varianten, die den Wandel einer Sprache ankündigen oder bereits markieren, werden dann vorschnell als Untergang des jeweiligen Kulturkreises gegeißelt.

Die digitalen Medien bringen nun unfreiwillig Schwung in die Sprachwandel-Debatte. Wie, das haben die beiden Hamburger Pädagoginnen Melanie Bangel und Astrid Müller vergangenen Herbst untersucht, indem sie analoge wie digitale Texte von 250 Fünftklässlern unter die Lupe nahmen. Sie untersuchten Deutschaufsätze und verglichen sie mit den Äußerungen der Jugendlichen im Internet. Dabei fahndeten sie nach digitalen Schreibvarianten und gingen der Frage nach, ob diese bewusst vorgenommen wurden oder ob tatsächlich unbeabsichtigte Fehler vorlagen. Das Ergebnis: Die Digital Natives wissen meist sehr genau, in welchen Texten Formalität verlangt wird und wann sie die Regeln brechen können. Sie experimentieren häufiger als die Generation vor ihnen, wechseln dabei kompetent den Jargon und verblöden dabei nur selten. Die Untersuchungen von Bangel und Müller haben zudem gezeigt, dass Jugendliche heute phantasievoller schreiben und sich eines breiteren Repertoires an Schreibformen bedienen. Ihre Eltern haben zu ihrer Zeit zwar vermutlich tatsächlich weniger Rechtschreibfehler gemacht, dafür brachten sie aber umso häufiger Texte zu Papier, die klangen wie aus dem Finanzamt. Wenn lange Schachtelkonstruktionen und Nominalsätze als Stilideal ausgedient haben, dann ist darin schwerlich ein Kulturverfall zu sehen.

Man kann aus dieser Entwicklung aber auch die falschen pädagogischen Schlüsse ziehen. So stehen Diktate zunehmend im Ruf angestaubter unkreativer Regelabfragerei und finden sich vielleicht deswegen im Schulalltag immer seltener. Einige Bundesländer verzichten mittlerweile sogar auf Punktabzüge für Rechtschreibfehler in Klausuren. Dass das eine schlechte Idee ist, müssten Deutschlehrer eigentlich am besten wissen. Denn obwohl viele Schülerinnen und Schüler keine Probleme haben, zwischen der formellen und der informellen Welt hin- und herzuschalten, werden Kinder und Jugendliche mit Rechtschreibschwächen zurückgelassen und indirekt darin bestärkt, Verstöße gegen Orthographie und Grammatik als allenfalls lässliche Sünde zu betrachten. Die Maxime lautet: Bringt erst mal eine schöne Geschichte zu Papier, um die Rechtschreibung kümmern wir uns später. Spätestens beim ersten Bewerbungsschreiben rächt sich das.

Ein Bildungsnotstand ist aber trotzdem eher unwahrscheinlich. „Wenn man einen Blick auf die bisherige Forschungsliteratur wirft, dann kann man zunächst beruhigt sein“, sagt der Hamburger Linguist Florian Busch, der das Symposion Anfang Juni mitveranstaltet hat. In seiner eigenen Studie mit norddeutschen Jugendlichen konnte er zeigen, dass die heranwachsende Generation ein hohes metasprachliches Wissen darüber hat, „in welchen Kommunikationssituationen bestimmte Schreibweisen angemessen sind und in welchen eben nicht“. Der Gewinn von Kompetenzen im informellen Freizeitschreiben bedeute aber keineswegs einen Verlust an Hochdeutschkenntnissen, sagt er.

In seiner jüngsten Studie achtete Florian Busch hauptsächlich auf Geschlechterrollen. Mädchen schreiben demnach längere Nachrichten und verschicken deutlich mehr Emojis als Jungs. Sie lieben Herzchen, Küsschen und Kätzchen, während Jungs sich kürzer fassen und niedliche Emojis meiden. Es sei denn, sie versuchen, Mädchen zu beeindrucken. Dann, so schildert es etwa der 14-jährige Martin, würden strategisch doch wieder mehr Emojis benutzt, um beim anderen Geschlecht „besser anzukommen“. Unter Jungs würden Herzchen allein dazu benutzt, um Mädchen zu parodieren.

Ohne Emojis kommt heute kaum ein Textnachrichtenwechsel unter Jugendlichen mehr aus. Und falls doch, führt das zu Irritationen (Bist du sauer? Du klingst so hart?). Die Bildchen haben sich mit den Smartphones in unseren Alltag geschlichen und die Welt erobert. Rund 2600 Emoji-Varianten stehen mittlerweile zur Verfügung, wobei sie nur etwa 1800 verschiedene Motive darstellen. Auf der Website emojitracker.com kann man live mitverfolgen, welche von ihnen aktuell über Twitter versandt werden. Das beliebteste Emoji ist demnach das „tears of joy“, gefolgt von einigen Herzchen-Varianten. Seit sieben Jahren wacht ein eigenes Konsortium über die Aufnahme neuer Emojis. Im kommenden Herbst werden 56 neue auf die Smartphone-Nutzer losgelassen. Darunter findet sich ein explodierender Kopf, eine stillende Frau, ein Zombie, eine Brezel und allerlei bisher fehlendes Getier wie Giraffe, Zebra oder Tyrannosaurus rex.

Die Bildzeichen faszinieren gerade dadurch, dass zuweilen gar keine Buchstaben mehr gebraucht werden, um sich mitzuteilen. Ein Emoji sagt mehr als ein Dutzend Wörter, lautet das Prinzip. Wie die Bildchen gebraucht werden, ist allerdings kaum erforscht. Dafür passen Emojis perfekt zur Theorie der ikonischen Wende, wonach der moderne Mensch vom Zeitalter des Wortes in das Zeitalter der Bilder wechselt. Neu sind Bildzeichen allerdings ebenso wenig wie ihre Defizite gegenüber Zeichensystemen, die gesprochene Sprachen codieren (siehe „Moderne Hieroglyphen“). Zwar sind inzwischen sogar ganze Bücher auf Emoji erschienen, darunter der Klassiker Moby Dick („Emoji Dick“) – was man lustig finden kann oder albern –, im eigentlichen Sinne lesen kann man solche Bilderreihen jedenfalls nicht. Dass Emojis das Zeug zu einem neuen weltweiten Verständigungsmittel haben könnten, das eine internationale Kommunikation ohne die Mühe des Fremdsprachenerwerbs ermöglichen könnte, halten Linguisten deshalb für unwahrscheinlich. Mit Emojis lassen sich weder abstrakte Wörter noch komplexe Sachverhalte ausdrücken. Und einfacher und schneller ist das Tippen und Lesen von Bildsymbolen keineswegs. Auch praktisch ergänzen die Bilder meist eher, als dass sie ersetzen: Das geschriebene „voll traurig“ bekommt zusätzlich ein trauriges Smiley.

Dennoch scheint der Hype um die Emojis derzeit grenzenlos. Unlängst ist sogar ein ganzer Spielfilm darüber in die Kinos gekommen. „Emoji – Der Film“ erzählt die tragische Geschichte eines Emojis, das beim Versenden immer das falsche Gesicht macht und dadurch Ärger in der Welt der Menschen auslöst. Cineastisch mag der Streifen eher schlicht geraten sein, aber er thematisiert unfreiwillig eines der Probleme rein bildhafter Kommunikation: ihre Mehrdeutigkeit. Das fängt schon mit den Betriebssystemen an, die Emojis unterschiedlich und nicht immer richtig darstellen. Gravierender als technische Probleme sind allerdings semantische Unstimmigkeiten. Emojis führen zu Verständigungsproblemen, weil sie unterschiedlich interpretiert werden. Der Affe beispielsweise, der sich die Augen verdeckt, bedeutet in Japan, dass man über Schlechtes mit Nachsicht hinwegsieht, in der westlichen Kultur steht er dafür, dass man Schlechtes nicht wahrhaben will. Politische Korrektheit ist ebenfalls ein Thema: Wer ausschließlich helle Gesichter und Hände verschickt, kann schnell unter Rassismusverdacht geraten. Zudem haben an sich harmlose Zeichen ihre Unschuld verloren. So steht in entsprechend interessierten Kommunikationsgemeinschaften die Aubergine für einen Penis, der Pfirsich für einen Hintern, und Regentropfen bedeuten Sex.

Die Welt der Emojis steckt also voller Fallen, Missverständnisse und Rätsel. Statt Völkerverständigung stiften die Bilchen tendenziell babylonische Sprachverwirrung. Dabei waren die Zeichen ursprünglich dazu gedacht, Eindeutigkeit herzustellen. Um in einem Online-Forum nicht missverstanden zu werden, führte der amerikanische Informatiker Scott Fahlmann 1982 eine alphanumerische Markierung seiner sarkastischen Äußerungen ein. Der :-) war geboren. Zeichenfolgen dieser Art wurden Emoticons genannt (ein sogenanntes Kofferwort aus emotion und icon). Im Jahr 1999 hauchte der Japaner Shigetaka Kurita den dürren Emoticons grafisches Leben ein. Er entwarf 176 Bildzeichen und nannte sie Emoji, was allerdings nichts mit „Emotion“ zu tun hat: Japanisch „e“ bedeutet „Bild“ und „moji“ bedeutet „Schriftzeichen“.

Als Ironiezeichen taugen Smileys und Frownys heute immer noch, allerdings ist ihre Deutung durch den inflationären Gebrauch ebenfalls schwieriger geworden. Emojis führen längst ein Eigenleben. Manche Nutzer wollen wirklich ironisch sein, andere verstecken ernstgemeinte Kritik hinter Smileys. Wieder andere setzen Emojis statt Interpunktionen oder nutzen sie einfach ohne jeden Hintergedanken. Und der große Rest weiß wahrscheinlich selbst nicht, warum er eine Flut von kitschigen Bildzeichen auf den Planeten prasseln lässt.

Wo das alles endet? Das weiß niemand. Ob die Emojis langfristig überleben, ist alles andere als ausgemacht. Noch vor Jahren galten Inflektive wie *grins* oder *schluchz* als schick, heute sind sie so altmodisch wie die Geräte, auf denen sie versandt wurden.

Literatur: Christa Dürscheid & Karina Frick, „Schreiben digital“, Kröner Verlag, Stuttgart 2016; Ágnes Veszelszki, „Digilect: The Impact of Infocommunication Technology on Language“, De Gruyter, Berlin 2017. Quelle der Illustrationen: Emojiisland. Eine erschöpfende Informationsquelle für alle aktuellen Emojis samt Unicodes ist die Website emojipedia.org.
Quelle: F.A.Z.