Ferne Weihnachtsgrüße (4)

Feuerlicher Jahresabschluss

Von Sibylle Anderl
 - 18:00
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Es ist nicht einfach, in der chilenischen Atacamawüste echte Weihnachtsgefühle zu entwickeln. Im hochsommerlichen Dezember bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad wirken Weihnachtsmänner in Winterkleidung eher bemitleidenswert als festlich. Dennoch ist das Wüstendorf San Pedro de Atacama, das ganzjährig Touristen und Astronomen aus aller Welt beherbergt, über Weihnachten bunt dekoriert. Weihnachtslieder schallen über plärrende Lautsprecher hinaus in die Weite der Wüste aus rötlichem Sand, deren Erscheinung gerne mit derjenigen des Planeten Mars verglichen wird.

In den Bergen östlich von San Pedro befinden sich viele astronomische Observatorien. Die Wüste liefert angesichts ihrer Trockenheit und der Höhe der Andengipfel einzigartige Beobachtungsbedingungen, insbesondere für Wellenlängen im Bereich von Millimetern und darunter. Das bekannteste Observatorium dort ist das Alma-Interferometer, das 66 Teleskope umfasst, deren Daten so kombiniert werden, dass kosmische Phänomene mit einzigartiger Detailschärfe und Empfindlichkeit beobachtet werden können. Es liegt etwa eineinhalb Autostunden entfernt von San Pedro auf einem Hochplateau in rund 5000 Meter Höhe.

Heiligabend wird der gigantische Teleskopverbund in diesem Jahr von zehn Astronomen betreut werden, von denen zwei ihren Dienst von der chilenischen Hauptstadt Santiago aus erledigen. Zur Feier des Tages wird es eine große Grillparty geben, bei der auch Geschenke ausgetauscht werden. Neben denjenigen Aktivitäten, die vom Observatorium selbst organisiert werden, wird nach der Arbeit aber auch in San Pedro gefeiert.

Vor einigen Jahren schlossen sich Astronomen einem der lokalen Rituale an, das im Dorf von den Einheimischen zum Jahresende zelebriert wird. Dafür werden Figuren aus altem Papier und alter Kleidung gebaut, zusammen mit Elementen, die schlechte Erlebnisse des vergangenen Jahres symbolisieren sollen. Diese Figuren werden verbrannt, damit das Schlechte des alten Jahres nicht mit ins neue Jahr genommen wird. „Das hat Spaß gemacht. Es war eine sehr ungewöhnliche Aktivität, die uns Kollegen enger zusammengebracht hat“, berichtet Roberto Price, der als Ingenieur bei Alma beschäftigt ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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