Ferne Weihnachtsgrüße (1)

Feiertagslauf durch alle Zeitzonen

Von Sibylle Anderl
 - 12:51
zur Bildergalerie

Das IceCube Neutrino Observatorium ist Teil der Amundsen-Scott-Südpolstation. Das Experiment besteht aus einem ein Quadratkilometer großen Eisblock, bestückt mit mehr als 5000 Sensoren. Diese Sensoren zeichnen die Spuren von Elementarteilchen auf, die bei der Wechselwirkung von hochenergetischen Neutrinos mit dem Eis entstehen. Die resultierenden Messdaten sollen beispielsweise dafür genutzt werden, die Natur kosmischer Strahlung besser zu verstehen, oder Hinweisen auf dunkle Materie nachzugehen.

In diesem Jahr werden zusammen mit etwa 150 anderen Stationsbewohnern auch zwei Deutsche Weihnachten mit IceCube am Südpol verbringen: die 27-jährige Raffaela Busse (hier geht`s zu ihrem Blog) und der 32-jährige Johannes Werthebach, die dort Anfang November angekommen sind. Beide Physiker freuen sich schon sehr auf Weihnachten. Die Trennung von ihren Familien an den Feiertagen wird für sie allerdings ungewohnt sein, zumal es jeden Tag nur für einige Stunden eine Telefonverbindung per Satellit gibt – für einen Videoanruf reicht die Bandbreite des Internets nicht.

Neben dem traditionellen Weihnachtsessen auf der Station – Hummer und Beef Wellington – wird es an den Feiertagen eine Reihe von Aktivitäten am Südpol geben. Dazu gehört am 25. Dezember das „Rennen um die Welt“: ein rund drei Kilometer langer Lauf um den geographischen Südpol, der alle 360 Längengrade umspannt und die Sportler durch alle Zeitzonen führt. Der Sieger gewinnt eine besonders lange heiße Dusche – ein begehrter Preis dort, wo Duschzeit sonst streng rationiert ist. An Neujahr wird feierlich die jährlich neu gestaltete Südpolmarkierung eingesetzt: Durch die Bewegung des polaren Eisschildes verschiebt sich der Pol jedes Jahr um etwa zehn Meter.

Bei dauerhaftem Sonnenschein ist die Stimmung im ewigen Eis über Weihnachten überaus gut, wie Busse und Werthebach versichern. Die härteste Zeit steht den beiden allerdings erst noch im antarktischen Winter bevor, wenn die Station mit nur rund 40 Personen besetzt ist und die Sonne dauerhaft untergegangen ist. Dann wird im Juli zur Aufhellung der Stimmung noch einmal Weihnachten im kleinen Kreis gefeiert. „Das ist dann fast wie Weihnachten mit der Familie“, erwartet Raffaela Busse. Auch Johannes Werthebach weiß noch nicht, wie er die andauernde Dunkelheit verkraften wird: „Ich bin schon sehr gespannt darauf, es herauszufinden.“

Quelle: F.A.Z.
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenWeihnachtenSüdpol