Leben & Gene
Alles im grünen Bereich

Moos raus, Moos rein

Von Jörg Albrecht
© Charlotte Wagner, F.A.S.

Der Nachbar, der kein Moos im Garten duldet, ist nicht allein mit dieser Aversion. Das beweisen die langen Regalreihen, die im Gartencenter für „Moosvernichter“ reserviert sind. Noch länger sind die Regale, auf denen sich Säcke mit Torferde stapeln. Die wiederum enthalten fast nichts anderes als abgestorbenes Moos der Gattung Sphagnum. Der Nachbar liebt das braune Zeug sehr und kippt es auf seine Beete, damit es ordentlich aussieht.

Umweltschützer sehen das gar nicht gern, denn Torf wird aus dem Moor gewonnen, einem Lebensraum, der bereits arg geplündert worden ist. Aber die Hersteller von Pflanzsubstraten wollen nicht darauf verzichten. Weil Torfmoose auf nährstoffarmen Standorten wachsen, lässt sich aus ihnen eine Art Null-Erde gewinnen, die je nach Verwendungszweck aufgedüngt werden kann. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als acht Millionen Kubikmeter Torf gestochen. Ein Viertel davon verbrauchen die Hobbygärtner, der Rest geht in den Profibereich. Die Vorräte gehen jedoch zur Neige, die Landesregierung in Niedersachsen hat schon angekündigt, den Abbau aus Gründen des Klimaschutzes ganz zu stoppen. In absehbarer Zeit wird die Torfwirtschaft wohl nach Osteuropa ausweichen müssen, wo noch größere Vorkommen lagern.

Gerechterweise muss man sagen, dass die Torfindustrie Anstrengungen unternimmt, erschöpfte Moore zu regenerieren. Die Abbauflächen, die einst von der Landwirtschaft mühsam trockengelegt wurden, werden zum Teil wiedervernässt. Ob das nennenswert dazu beiträgt, die CO2-Bilanz des Torfabbaus auszugleichen, muss sich erst noch herausstellen; dies sei wissenschaftliches Neuland, hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Grünen, und derzeit noch „mit methodischen Schwierigkeiten und einer dünnen Datenlage verbunden“.

Durch mangelnde Pflege allein bekommt man keinen Moosgarten hin

Es ist in der Tat sehr viel schwieriger, Moos anzusiedeln, als es zu vernichten. Meister in dieser Disziplin sind die Japaner, die aus Moospolstern ganze Miniatur-Landschaften formen. Sie machen dabei aus der Not eine Tugend, denn für mehr als einen Bonsai-Garten findet sich häufig kein Platz. Auch das feuchte Klima spielt eine Rolle: Der berühmte Moosgarten auf dem Gelände des Saihoji-Tempels in Kyoto war ursprünglich eine reine Angelegenheit aus Sand und Stein und ist erst vermoost, nachdem er längere Zeit vernachlässigt wurde.

Durch mangelnde Pflege allein wird man in unseren Breiten keinen Moosgarten hinbekommen. Gartenerde enthält in der Regel viel zu viele Nährstoffe und jede Menge Samen von Blütenpflanzen, die das Moos bald verdrängen würden. Weil Moos keine Wurzeln hat, braucht es eigentlich überhaupt kein Substrat. Der Bryologe Jan-Peter Frahm empfahl in seinem Buch „Mit Moosen begrünen – eine Anleitung zur Kultur“, eine Plastikfolie zu verlegen und darauf eine mindestens zwanzig Zentimeter hohe Schicht aus Sand, Torf und Lavagrus auszubringen, die imstande ist, eine gewisse Feuchtigkeit zu halten; zu nass dürfe es aber auch nicht sein, weil sich sonst Pilzbefall einstellt. Diese Fläche müsse man dann dauerhaft von Laub und keimenden Gräsern freihalten, eventuell noch ein Netz darüber spannen, weil auch manche Vögel große Moosliebhaber sind und mit dem weichen Material ihre Nester polstern.

Wird fortgesetzt

Quelle: F.A.S.
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