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Der deutsche Garten, eine Ökoschande

Von Andreas Frey
 - 13:58
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Wenn es stimmt, dass die Deutschen ihre Gärten über alles lieben, ist es höchste Zeit, sich Sorgen zu machen. Einerseits um die Deutschen – und ihr Verständnis von Liebe, zum anderen um das, was sie damit anrichten. Das traurige Ergebnis lässt sich von Flensburg bis Freiburg beobachten: Getrimmter Rasen beherrscht die Fläche hinter dem Haus, am Grundstücksrand sind rechtwinkelige Beete angelegt. Dazwischen pflastern Waschbetonplatten den Weg zur Terrasse, und im Schatten der blickdichten Thujas steht ein einsamer Apfelbaum.

Diese Anordnung beschreibt natürlich ein Klischee. Wer sich aber in Deutschlands Gärten umschaut, erkennt es erstaunlich oft wieder. Jetzt im Frühling zeigen sich die Hobbygärtner in Aktion. Sie schleppen säckeweise Blumenerde heran, setzen Stiefmütterchen ins Beet, ziehen Tomaten hoch und sind dabei meist völlig kompromisslos. Ordnung muss sein, da tickt der Gärtner nicht anders als der Bauer: Unkraut wird keinesfalls geduldet und kommt weg, sei es mit der Harke oder mit Hilfe von Chemie. Auch gegen lästige Insekten oder Schnecken findet sich etwas im Giftschrank. Verteidigt wird so das eigene kleine Paradies, ein aufgeräumtes Stück Natur in einer unübersichtlich gewordenen Welt. Diese Erdverbundenheit, das in Szene gesetzte grüne Bewusstsein, beruht allerdings auf einem großen Missverständnis: Was da gedeiht und blüht, hat mit Natur nur noch wenig zu tun. Vielerorts kommt es in den Gärten schlicht zum ökologischen Desaster.

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Quelle: F.A.S.
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