FAZ plus ArtikelMikroorganismen unter der Lupe

Gefräßige Einzeller beim Naschen ertappt

Von Diemut Klärner
 - 08:04
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An Land wachsen Pflanzen meist zu ansehnlicher Größe heran, als Gräser und Kräuter, Bäume und Sträucher. In den Weltmeeren sind die meisten Pflanzen dagegen mikroskopisch klein. In der Mehrzahl messen die Algenzellen sogar weniger als drei Tausendstel Millimeter (Mikrometer), womit sie in etwa die Größe von Bakterien besitzen. Was aber keine Rolle spielt, solange diese Winzlinge, wie es sich für Pflanzen gehört, ausschließlich von der Photosynthese leben – also von Licht, Kohlendioxid und mineralischen Nährstoffen, die das Meerwasser bereithält. Doch was geschieht, wenn sich Meeresalgen auch von anderen Mikroorganismen ernähren, wie man es hin und wieder beobachtet? Manche dieser Algen scheinen viel zu klein zu sein, um größere Bakterien verschlingen zu können. Britische Wissenschaftler haben nun beobachtet, dass solche Mini-Algen eine ganz eigene Fangtechnik entwickelt haben: Das erbeutete Bakterium wird nur etwa zur Hälfte verschluckt, aber als Ganzes ausgebeutet.

Gewöhnlich nutzen Einzeller, die sich von Bakterien ernähren, eine simple Technik, um sich einen nahrhaften Happen einzuverleiben. Sie verformen sich derart, dass sie ihre Beute vollständig umschließen können. In eine Blase verpackt, die von einer Zellmembran begrenzt wird, lässt sich das Opfer dann mit Enzymen traktieren, ohne dass dabei an anderer Stelle Schaden angerichtet wird. Wenn der Einzeller alle brauchbaren Abbauprodukte aus der Blase herausgeschleust hat, wird diese für die Verdauung zuständige Abteilung wieder mit der äußeren Zellmembran verschmolzen. Dabei entleert sich die Membranblase, so dass auch der Abfall aus der Alge herausgeschafft wird. Doch für diese komplexe Fangmethode, muss ein Einzeller ausreichend Platz zur Verfügung haben.

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Quelle: F.A.Z.
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