Pilze

Die großen Unbekannten

Von Joachim Müller-Jung
 - 12:06

Pilze sammeln und erkennen will gelernt sein – das gilt auch für Pilzforscher, die nicht immer nach essbaren, sondern vor allem nach interessanten Pilzen suchen. Interessant heißt hier unbekannt. Forscher suchen am liebsten nach neuen Arten, doch große Entdeckungen zu machen ist gar nicht so einfach. Das berichtet eine Gruppe europäischer Taxonomen in der Zeitschrift „Microbiology Spectrum“.

Die aktuellen Schätzungen der Forscher von der Freien Universität Berlin, des Royal Botanical Garden in Kew und des Natural History Museum in London zeigen: Das Reich der Pilze ist mit geschätzt 2,2 bis 3,8 Millionen Arten zwar klar vor den Pflanzen und hinter den Tieren das zweitgrößte Organismenreich. Aber momentan werden weltweit pro Jahr nur gut 1500 Pilzarten neu beschrieben.

Lückenhaftes Pilzwissen

Deshalb ist die Zahl der seit dem 18. Jahrhundert erfassten Pilzarten mit 120.000 Spezies erstaunlich klein – nur drei bis acht Prozent der Arten sind wissenschaftlich identifiziert. Bei den Pflanzen sind das schätzungsweise 80 Prozent, bei Tieren 20 Prozent.

Die Hoffnung: erstens, dass die Zahl der Pilzforscher steigt, und zweitens, dass sich hinter den 120.000 katalogisierten Pilzvarianten in Museen in Wahrheit viel mehr Arten verbergen. Tatsächlich hat man in vermeintlich gut erfassten Gruppen, zu denen etwa Pfifferlinge oder Fliegenpilze zählen, mit neuen DNA-Methoden zehnmal so viele Spezies gefunden wie bis dahin bekannt.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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