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Primatenforschung

Kennenlernen mit Gewalt

Von Hildegard Kaulen
 - 10:37
Furchteinflößend: Männliche Bärenpaviane setzen auf sexuelle Einschüchterung. Bild: dpa, F.A.Z.

Sexuelle Gewalt ist unter sozial lebenden Säugetieren weit verbreitet, vor allem wenn die Männchen größer und stärker sind als die Weibchen. Diese Gewalt zeigt sich in der Regel bei der Paarung. Männchen bedrängen Weibchen, zwingen sie zur Kopulation oder bestrafen sie, wenn sie sich mit anderen Männchen einlassen. Männliche Bärenpaviane gehen allerdings anders vor. Sie schüchtern die Weibchen schon vor der eigentlichen Paarung durch aggressives Verhalten ein und kontrollieren die Weibchen damit nicht erst bei der Kopulation, sondern lange im Voraus. Darüber berichten Alice Baniel vom „Institute of Advanced Study“ in Toulouse und ihre Kollegen in der aktuellen Ausgabe von „Current Biology“.

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Die Wissenschaftler vermuten, dass sexuelle Einschüchterung zum Verhaltensrepertoire der Primaten gehört, da Schimpansen ein ähnliches Verhalten an den Tag legen. Es sollte dann auch einen evolutionären Ursprung dafür geben. Dass man bisher noch nicht mehr darüber weiß, könnte damit zu tun haben, dass sexuelle Einschüchterung subtiler ist als sexuelle Gewalt, von der Paarung entkoppelt ist und nur dann zu erkennen ist, wenn die Population über lange Zeit beobachtet wird.

Bärenpaviane leben in Gemeinschaften mit vielen Männchen und Weibchen. Die Weibchen paaren sich während ihrer fruchtbaren Phase mit mehreren Männchen. Baniel und ihre Kollegen haben vier Jahre lang zwei große Populationen in Namibia beobachtet und Daten zum aggressiven Verhalten der Männchen und zur Paarung gesammelt und ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Männchen nur paarungsbereite Weibchen einschüchtern, keine schwangeren oder stillenden Weibchen, und dass sie keinen unmittelbaren Vorteil aus der Einschüchterung ziehen, indem sie direkt mit den Weibchen kopulieren. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich mit den Weibchen, die sie besonders oft und stark attackiert hatten, in der Zeit des Eisprungs paarten.

Bei Pavianen ist dies an einer roten Schwellung des Gesäßes zu erkennen. Baniel und ihre Kollegen konnten bei alledem ausschließen, dass paarungsbereite Weibchen eine generelle Vorliebe für aggressive Männchen haben. Die Weibchen bezahlten die sexuellen Einschüchterungen mit einem hohen Preis, denn 78 Prozent ihrer Verletzungen wurden durch das aggressive Verhalten der Männchen verursacht. Baniel und ihre Kollegen vermuten auch, dass die paarungsbereiten Weibchen durch diese Einschüchterungen weniger Kopulationspartner haben, als dies in einer promiskuitiven Lebensgemeinschaft möglich wäre.

Als Nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob alle Männchen in den entscheidenden Phasen der Paarung gleichermaßen aggressiv sind oder ob es Unterschiede gibt. Erste Beobachtungen legen nahe, dass einige Weibchen sogar zufriedener mit den Männchen sind, die sie einschüchtern.

Quelle: F.A.Z.
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