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Länger leben

Auf Diät

Von Manfred Lindinger
 - 12:13
In dieser Nachbildung des Neanderthal-Museums in Mettmann schaut der Neandertaler recht zufrieden - fast erstaunlich angesichts seiner unausgewogenen Ernährung. Bild: dpa, F.A.Z.

Sag mir, was du isst und ich sage dir, wer du bist. Der Neandertaler war – erhebt man das Sprichwort zur Maxime – da wohl eher von schlichter Natur. Denn der tägliche Speiseplan unseres Verwandten, der vor rund 40.000 Jahren von der Bildfläche verschwand, bot nur wenig Abwechslung: Mammut, Mammut und nochmals Mammut. Gesunde Rohkost gab es selten. Fisch nie. Moderne Ernährungsberater würden sich bei so viel Fleischkonsum die Haare raufen.

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Kein Wunder also, dass bei derart einseitiger Ernährung der Neandertaler ausgestorben ist, werden jetzt viele sagen. Viel besser sieht es da schon mit unserem frühen Vorfahren aus, dem Homo sapiens. Er liebte offenkundig eher die Vielfalt, als er vor etwa 43.000 Jahren Europa besiedelte. Neben Mammutfleisch landeten bisweilen auch Antilope, Rotwild, Pferd und manchmal sogar Hase frisch zubereitet auf den Tellern der frühen Menschen.

Zwar sucht man Fisch mit seinen wertvollen Omega-3-Fettsäuren vergeblich auf dem Speiseplan des frühen Homo sapiens. Dafür gab es aber jede Menge pflanzliche Nahrung zu den Fleischbergen, wie eine internationale Forschergruppe um Dorothée Drucker vom Senckenberg Zentrum für Menschheitsentwicklung in Tübingen herausgefunden hat. Die Wissenschaftler haben das Kollagen in den Knochen menschlicher Überreste untersucht, die in den Buran-Kaya-Höhlen auf der Halbinsel Krim geborgen wurden.

Lebte der frühe Homo sapiens gesünder?

Die Höhlen gelten als die ältesten Fundstellen für Fossilien in Europa. Der Homo sapiens stand wohl auch bei der täglichen Nahrungssuche – insbesondere, wenn es um Mammuts ging – mit dem ortsansässigen Neandertaler in Konkurrenz. Letzterer hat dabei offenkundig den Kürzeren gezogen, wie Frau Drucker und ihre Kollegen in den „Scientific Reports“ folgern.

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Vielleicht lag der evolutionäre Vorteil aber auch darin, dass man sich damals ein wenig gesünder ernährte, als es die Ureinwohner taten. Denn wer sich gesund ernährt, darf bekanntlich auf ein längeres Leben hoffen. Und dass schon die geringste Verbesserung der Ernährungsweise einen Effekt zeigt, haben nun amerikanische Ernährungsexperten in einer im „New English Journal of Medicine“ veröffentlichten Langzeitstudie belegen können. Besonders zum Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und fettarmen Milchprodukten wird geraten. Gestattet seien auch Geflügel und Fisch sowie Nüsse und Hülsenfrüchte. Zu verzichten sei dagegen auf zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke, vor allem auf rotes Fleisch und Fettsäuren.

Befolgte man zwölf Jahre lang diese Diät auch nur ein klein wenig, würde das Sterberisiko um immerhin zehn Prozent verringert, belegen die Studienautoren um Mercedes Sotos-Prieto von der Harvard School of Public Health anhand ihrer Daten. Vielleicht hätten diese zehn Prozent den Neandertaler ja bereits vor dem Aussterben bewahrt, wäre die Studie nur 40.000 Jahre früher erschienen.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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