Bluthochdruck bei Dicken

Die Messer wetzen

Von Nicola von Lutterotti
 - 06:42

Übergewichtschirurgen haben alle Hände voll zu tun, insbesondere die jenseits des Atlantiks. In Zukunft dürften ihre Operationssäle allerdings aus allen Nähten platzen. Denn eine wissenschaftliche Studie hat bestätigt, was eigentlich schon vorher klar war: Dass ein starker Gewichtsverlust – hier erzielt durch einen Magenbypass – neben zahllosen anderen Heileffekten auch den hohen Blutdruck, die Hypertonie, zu bezwingen vermag. Der Erfolg der einschneidenden Hypertoniebehandlung war in der Tat beachtlich. So konnte fast die Hälfte der operierten Personen mit der Zeit alle blutdrucksenkenden Medikamente absetzen und die übrigen kamen mit sehr viel weniger Tabletten aus als zuvor. Demgegenüber blieb bei den Teilnehmern der Vergleichsgruppe, die nur die üblichen guten Ratschläge erhalten hatte, medikamentmäßig alles beim Alten. Dass der Anteil der Hochdruckkranken im Trump-Land gleichsam über Nacht von rund 30 auf fast 50 Prozent der Bevölkerung hochgeschnellt ist, weil die amerikanischen Kardiologen anlässlich der Jahrestagung der American Heart Association die Schwelle zwischen einem noch normalen und einem zu hohen Blutdruck gesenkt haben, verschärft die Lage noch weiter. Lag der obere Grenzwert bislang weltweit bei 140 Millimeter auf der Quecksilbersäule, fängt die Hypertonie in den Vereinigten Staaten nunmehr bei 130 mmHg an. Bedenkt man also, dass jeder dritte Amerikaner fettleibig ist – und bei uns ist ihr Anteil inzwischen nicht viel geringer – und nun also jeder zweite von ihnen unter Hypertonie leidet, ahnt man, welche Behandlungswelle auf die amerikanischen Adipositas-Chirurgen zurollt. Was aber soll aus der großen amerikanischen Pharmaindustrie werden, wenn die Adipositas-Chirurgen zu viele Hochdruckkranke heilen? Mausert sich die Magenbypass-Operation zum größten Feind der Branche?

Zivilisationsleiden im Visier

Tatsächlich ist die OP schon Allzweckwaffe im Kampf gegen viele Zivilisationsleiden. Wie sich nun mit einer wachsenden Zahl an Studien belegen lässt, kann sie neben der Hypertonie auch den Altersdiabetes bessern oder gar beheben; und auch die schlechten Blutfette schwinden unter dem Skalpell der Übergewichts-Chirurgen wie Schnee an der Sonne. Insofern kann es in der Tat sein, dass sich die Pillenhersteller warm anziehen müssen. Sollten ihre Gewinne irgendwann in bedrohlicher Weise einbrechen, besteht gleichwohl immer noch die Möglichkeit, die Stoffwechsel-Grenzwerte ein weiteres Mal abzusenken. Sowohl beim Blutdruck als auch beim Blutzucker gibt es diesbezüglich noch Luft. Der einzige Haken daran: Solche Adjustierungen lassen sich leider nicht beliebig fortführen, sie stoßen irgendwann an natürliche Grenzen.

Quelle: F.A.Z.
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