FAZ plus ArtikelDiagnose Borreliose

Was ein Zeckenstich anrichten kann

Von Sebastian Rauer
 - 07:40
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Pauline Anger (Name geändert), eine 37-jährige Bankkauffrau, geht in ihrer Freizeit gerne joggen. Bislang kerngesund, leidet sie seit Mai 2017 unter schlimmen Schmerzen der Lendenwirbelsäule. Die strahlen nachts „wie Ischias“ in beide Oberschenkel aus. Schlaf findet sie seither nicht mehr. Obwohl die schneidenden und brennenden Schmerzen am Tage viel weniger sind, fühlt sich die junge Frau immer schlechter. Ihr Hausarzt vermutet einen Bandscheibenvorfall, dem er mit Krankengymnastik und Schmerzmitteln zu Leibe rückt. Als beides nicht hilft, die Qualen zunehmen, veranlasst er eine Magnetschichtaufnahme der Lendenwirbelsäule. Überrascht nimmt er den unauffälligen Befund zur Kenntnis. Die verordneten Schmerzmittel Paracetamol, Ibuprofen und zuletzt das Opioid Tramadol bringen keine Linderung. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung breiten sich aus. Pauline Anger ist krankgeschrieben, sie zieht sich zurück.

Die unerwartete Wende tritt nach sechs Wochen ein. Die Krankheit zieht ein neues Register: Pauline Angers rechter Mundwinkel hängt herab, das rechte Auge lässt sich nicht mehr schließen. Nahrung läuft ihr aus dem Mund, so dass sie sich beim Essen und Trinken ständig abputzen muss. Einen Schlaganfall befürchtend, weist der Hausarzt sie in die Notaufnahme der Stadtklinik ein. Durch eine Nervenwasserentnahme wird schnell klar: Frau Anger leidet an einer Nervenentzündung. Im Labor werden spezifische Abwehrstoffe des Immunsystems – Antikörper – gegen Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Lyme Borreliose, gefunden. Nun ist bewiesen: Frau Anger leidet unter einer Neuroborreliose. Nach einem Zeckenstich befragt, verneint sie diesen allerdings.

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Prof. Dr. Sebastian Rauer

Dr. Sebastian Rauer, Autor dieses Beitrags, ist Leitender Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg und Leiter der MS-Ambulanz sowie des Klinischen Labors. Er hat Humanmedizin an der Universität Freiburg studiert und war Neurologe am Universitätsklinik Ulm. Er ist Koordinator und federführender Autor der DGN/AWMF S3-Leitlinie „Neuroborreliose“ sowie Mitautor der Leitlinien zur Frühsommer-Medingoenzephalitis, FSME. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Neuroimmunologie, insbesondere in der humoralen Autoimmunität bei paraneoplastischen neurologischen Syndromen sowie der Durchführung klinischer Studien und Zulassungsstudien bei Multipler Sklerose.

Quelle: F.A.Z.
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