Gesunder Lebensstil

Für immer jung?

Von Nicola von Lutterotti
 - 10:33

Dass wir heute sehr viel länger leben als unsere Ahnen, liegt vornehmlich an den Fortschritten in der Medizin und den besseren hygienischen Verhältnissen. Einige Menschen profitieren von diesen Errungenschaften allerdings deutlich mehr als andere. Das gilt unter anderem für Personen, die nicht rauchen, nicht fettleibig sind und gern ein Gläschen trinken. Hierfür sprechen zumindest die Ergebnisse einer Untersuchung, die Mikko Myrskylä vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock und Neil Mehta vom Department für Gesundheitsmanagement der University of Michigan vorgenommen haben. Gestützt auf die Daten einer amerikanischen Bevölkerungsstudie, die den Voraussetzungen für ein gesundes Altern auf den Grund geht, richteten die Forscher ihr Augenmerk auf jene knapp 15 000 Teilnehmer, die zu Beginn mindestens 50 Jahre alt und nicht pflegebedürftig waren.

Wie die Studienautoren in der Zeitschrift „Health Affairs“ berichten, verstarben im Verlauf von zwölf Jahren etwas mehr als 4300 Versuchsteilnehmer, und knapp 6800 erlitten eine Erkrankung, die ein selbständiges Leben erschwerte oder ausschloss. Je gesünder die Probanden gelebt hatten, desto später im Leben ereilte sie ein solches Schicksal. Die besten Karten hatten dabei jene Männer und Frauen, die weder untergewichtig noch fettleibig waren, nie geraucht hatten und Alkohol in Maßen tranken, was höchstens zwei Gläsern Bier oder Wein pro Tag bei den Männern und einem Glas bei den Frauen entsprach.

Diese Personen lebten im Mittel etwa sieben Jahre länger als die Durchschnittsbevölkerung und elf bis zwölf Jahre länger als Versuchsteilnehmer, die deutlich zu viele Pfunde auf die Waage brachten, jemals geraucht hatten und entweder zu tief ins Glas blickten oder überhaupt keinen Alkohol konsumierten. Die Gruppe mit dem günstigsten Lebensstil blieb darüber hinaus am längsten rüstig.

Länger selbstbestimmt leben

So mussten die Männer dieses Kollektivs erst im Alter von durchschnittlich 72 Jahren und die Frauen erst im mittleren Alter von 75 Jahren fremde Hilfe in Anspruch nehmen – neun beziehungsweise vierzehn Jahre später als ihre Geschlechtsgenossen mit risikoreicher Lebensweise. Die gute Nachricht für abstinenzwillige und ehemalige Raucher: Lag der Konsum der letzten Zigarette schon mindestens zehn Jahre zurück, war der gesundheitliche Rückstand zu den Nichtrauchern fast vollständig verschwunden.

Ob neben den untersuchten noch weitere Lebensstilfaktoren die Gesundheit der Probanden beeinflussten, geht aus der Analyse der Forscher nicht hervor. Von Interesse wären unter anderem die einschlägigen Auswirkungen von körperlicher Aktivität. Denn es gibt etliche Indizien, dass regelmäßige Bewegung den Alterungsprozess verlangsamt. Wie Myrskylä auf Anfrage sagte, haben sie den gesundheitlichen Einfluss von körperlichem Training zwar untersucht und dabei in der Tat festgestellt, dass sportliche Personen älter wurden und erst später im Leben Unterstützung benötigten als unsportliche. Was Henne und was Ei sei – also ob Sport gesund halte oder Gesunde eher Sport treiben –, lasse sich allerdings nur schwer feststellen.

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Wie der Leipziger Forscher ferner zu bedenken gibt, hatten sie für ihre Berechnungen nur die Aussagen der Probanden zur Verfügung. Erfahrungsgemäß seien solche Angaben aber nicht sehr verlässlich. Denn viele Menschen würden das Ausmaß ihrer körperlichen Aktivität erheblich überschätzen. „Sie sagen, was sie gern getan hätten, und nicht, was sie tatsächlich getan haben“, bringt der Forscher seine Skepsis auf den Punkt. Und wie steht es mit dem Wahrheitsgehalt von Aussagen zum Alkoholkonsum? Wird dieser nicht ebenfalls beschönigt und ein gut gefülltes Glas Wein eher zu einem Gläschen verharmlost? „Das stimmt“, pflichtet Myrskylä bei. Um falschen Schlussfolgerungen vorzubeugen, hätten sie ihre Berechnungen sowohl mit höheren als auch mit geringeren Alkoholgrenzwerten vorgenommen. Die Ergebnisse seien allerdings fast identisch gewesen. Das heißt, eine Untertreibung des Alkoholkonsums habe die Resultate ihrer Untersuchung nicht maßgeblich verändert.

Quelle: F.A.Z.
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