FAZ plus ArtikelKrebs-Therapie

Was, wenn Heilung unbezahlbar wird?

Von Joachim Müller-Jung
 - 09:51

„Krebsheilung!“ Wie lange war dieses Wort tabu in der Schulmedizin? Hin und hergerissen zwischen Phantasie und Fortschritt, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, wenigstens aber solide finanziert und unberührt vom politischen Chaos hat die Schulmedizin jede Euphorie zu verschleiern versucht. Die Wirklichkeit hat ihr dabei geholfen, bis auf den heutigen Tag. Denn noch stemmt sich der Krebs gegen die Niederlage.

Die Neuerkrankungen nehmen weiter zu, in erster Linie weil immer mehr das Krebsalter erreichen. Aber der politisch gewollte und wissenschaftlich ausgefochtene Kampf tobt so heftig wie nie. Auch der Koalitionsvertrag der mutmaßlich nächsten Regierung liefert den programmatischen Stoff für diesen in den sechziger Jahren entfachten Fackelzug gegen den Krebs: „Wir wollen eine Nationale Wirkstoffinitiative starten und eine Nationale Dekade gegen den Krebs ausrufen“ – nicht nur darin, sondern vor allem in den Statistiken, den wissenschaftlichen Publikationen und den mit Milliardensummen aufgeladenen neuen Pharmasegmenten verrät sich ein nie dagewesener Aktionismus, der es den Beteiligten manchmal schwer macht, auf dem Boden zu bleiben.

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Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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