Medizin

Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs

 - 15:23

Dem aggressiven Gebärmutterhalskrebs kann jetzt weltweit erstmals mit einem Impfstoff Einhalt geboten werden. Am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg wurde am Mittwoch der Wirkstoff „Gardasil“ vorgestellt, der Ende Juni in den Vereinigten Staaten zugelassen wurde. Der Pharmakonzern Sanofi Pasteur will den Impfstoff spätestens Anfang 2007 auf den Markt bringen.

Basis für die Entwicklung des Impfstoffs ist die Forschungsarbeit von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem amerikanischen National Instutes of Health.

Eine der bedrohlichsten Erkrankungen für Frauen

Jahrzehntelang war der Gebärmutterhalskrebs eine der bedrohlichsten Erkrankungen in der Frauenheilkunde. Der Impfstoff, der ab sofort in der Bundesrepublik auch über die internationale Apotheke verfügbar ist, schützt laut Krebsforschungszentrum in 70 Prozent aller Fälle vor Gebärmutterhalskrebs und ist gegen die beiden wichtigsten Krebs erregenden Typen HPV (humane Papillomviren) 16 und 18 gerichtet. Der Wirkstoff schützt demnach auch gegen die HPV-Typen 6 und 11, die Genitalwarzen hervorrufen. Er wurde in klinischen Studien an rund 25.000 Frauen getestet. Die vorbeugende Behandlung mit Gardasil besteht aus drei Injektionen, die über sechs Monate verabreicht werden.

In Europa ist der Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache junger Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. In Deutschland erkranken jährlich 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs.

Erste Forschungen vor rund 30 Jahren

Professor Harald zu Hausen, der viele Jahre wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums war, fand bereits vor rund 30 Jahren einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Warzenviren und der Entstehung dieses Krebses heraus. Doch erst in den 80er Jahren konnten Mitarbeiter seines Labors nachweisen, daß bei Gebärmutterhalskrebs das Erbgut von Genitalwarzen aktiv wird. Zahlreiche weitere Forschungen folgten. „Inzwischen wissen wir, wie komplex die Kontrollmechanismen sind, die in der Zelle Aktivität und Funktion der viralen Gene regulieren“, sagte zu Haussen.

Wissenschaftler suchten weltweit in den vergangenen Jahren nach einem Impfstoff gegen diesen Erreger. Eine Anzucht im Labor schied aus, es kam nur ein gentechnische Verfahren in Frage. Schließlich gelang Professor Lutz Gissmann aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und seinen Kollegen in Kooperation mit dem amerikanischen National Instutes of Health der Durchbruch. Beide Einrichtungen sind auch gemeinsame Eigentümer der Patente für das Gen, das als Grundlage für den nun verfügbaren Impfstoff dient.

Die Viren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Besonders junge Frauen unter 25 Jahren sind für eine Infektion anfällig. Dadurch falle der optimale Impfzeitpunkt in die Pubertät, einen Lebensabschnitt, der von vielfältigen körperlichen und seelischen Veränderungen geprägt sei, sagte Erika Harzer, Direktorin der Medizin Sanofi Pasteur. Deshalb sei ein hohes Maß an Kooperation der Fachärzte, wie Kinder- und Jugendärzte, Gynäkologen sowie Allgemein- und Hausärzte, besonders wichtig.

Quelle: FAZ.NET mit AP, dpa
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