FAZ plus ArtikelWas Zuckerkranken helfen kann

Diabetes – fast schon eine Epidemie

Von Michael Brendler
 - 15:42

Als britische Innenministerin hatte Theresa May 2012 einen besonders hektischen Job. In ihre Zuständigkeit fiel die Ausrichtung der Olympischen Spiele von London. Damals fühlte sie sich manchmal ziemlich abgeschlagen, sie nahm deutlich ab, was einige Kommentatoren zu der Vermutung veranlasste, sie wolle sich per Diät optisch für höhere Aufgaben empfehlen. Andere meinten, sie sei schon mit dem jetzigen Amt überfordert.

Als im November noch eine heftige Erkältung hinzukam, suchte May endlich ihren Hausarzt auf. Der fand bei der damals 56-Jährigen einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Für den Mediziner lag die Diagnose auf der Hand: May litt offenbar unter Typ-2-Diabetes, gemeinhin auch „Altersdiabetes“ genannt. Erst nachdem sich die Werte trotz Tabletten nicht bessern wollten, kam ihm der Verdacht, die Ministerin könne unter einer ganz anderen Krankheit, einem Autoimmunproblem, leiden. Ein solcher juveniler Diabetes (von iuvenis, lateinisch für jugendlich hergeleitet) zwingt schon Kinder- und Jugendliche dazu, sich Insulin zu spritzen. Anders als beim Typ 2 der Krankheit gehen beim Typ 1 die Betazellen der Bauchspeicheldrüse nicht durch Überforderung zugrunde, sondern durch Attacken der körpereigenen Abwehrzellen. Nach medizinischer Lehrbuchmeinung macht sich dieser Prozess schon in jungen Jahren bemerkbar. Für Theresa May und ihren Arzt kam die Diagnose deshalb wie aus heiterem Himmel.

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Studie

An der erwähnten Insulin-Studie können deutschlandweit Kinder bis zum vierten Lebensmonat teilnehmen, wenn Eltern oder Geschwister ebenfalls an Typ-1-Diabetes erkrankt sind und ein genetischer Test auf ein Risiko hindeutet. Kontakt unter Tel: 0800 000 00 18 oder unter contact@gppad.org.

Quelle: F.A.S.
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