Erreger in Lauerstellung

Zika macht nur Pause

Von Hildegard Kaulen
 - 12:25

Epidemien enden manchmal genauso schnell, wie sie auftreten. In Brasilien sind dem Gesundheitsministerium seit Mitte April keine Infektionen mit dem Zika-Virus mehr gemeldet worden. Vor einem Jahr dominierte der Erreger noch die Schlagzeilen. Zika ist für die allermeisten Menschen ungefährlich, allerdings können die Viren bei Schwangeren dafür sorgen, dass das ungeborene Kind eine Schädelfehlbildung entwickelt, eine sogenannte Mikrozephalie. Bei Erwachsenen ist ein Guillain-Barré-Syndrom möglich – eine seltene neurologische Störung.

Anthony Fauci, Direktor des „U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ zeigte sich gegenüber dem Online-Nachrichtenportal der Zeitschrift „Science“ überrascht, wie drastisch die Infektionszahlen in Süd- und Mittelamerika zurückgegangen sind. Berechnungen von Forschern um Neil Ferguson vom „Imperial College of London“ hatten in einem Beitrag, der Ende Juli im amerikanischen Wissenschaft-Magazin erschienen war, das Ende der Infektionswelle erst für das Jahr 2019 vorhergesagt.

Zwei Gründe sind offensichtlich für diesen raschen und deutlichen Rückgang verantwortlich. Die Maßnahmen zum Eindämmen der Mückenpopulationen haben Wirkung gezeigt, und es hat sich eine kollektive Immunität – eine sogenannte Herdenimmunität – entwickelt. Denn jeder, der einmal infiziert worden ist, hat vermutlich einen lebenslangen Immunschutz. Im vergangenen Jahr sind in Brasilien und den angrenzenden Ländern anscheinend derart viele Menschen durch zikaverseuchte Gelbfiebermücken angesteckt worden, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung inzwischen immun ist. Dadurch wird es für das Virus immer schwieriger, empfängliche Personen zu finden. Das hat zur Folge, dass die Infektionszahlen drastisch zurückgehen und die Infektionswelle bald ein Ende haben wird.

Erschwerte Suche nach geeigneten Impfstoffen

Kann das Zika-Virus damit zu den Akten gelegt werden? Eher nicht, meint Ira Longini von der Universität Florida in Gainesville, weil es immer wieder Regionen geben wird, wo Menschen noch keine kollektive Immunität entwickelt haben. Derzeit ist das Virus in Südostasien aktiv, aber auch aus Mexiko, Peru und Kolumbien werden noch kleinere Ausbrüche gemeldet. In einem Jahrzehnt wird es zudem in den Ländern mit kollektiver Immunität wieder viele Kinder ohne entsprechenden Immunschutz geben, so dass dann mit einem neuen Zika-Ausbruch zu rechnen ist. Lyle Petersen vom amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention unterstreicht die Notwendigkeit, einen Impfstoff zu entwickeln.

Allerdings macht der Rückgang der Infektionszahlen die klinische Prüfung schwieriger. Derzeit sind 38 Impfstoffkandidaten im Rennen, 32 Kandidaten werden noch im Labor getestet. Fünf werden in klinischen Studien auf ihre Unbedenklichkeit untersucht, und einer – der am weitesten fortgeschrittene Impfstoffkandidat – wird auf seine Wirksamkeit geprüft. Diese Wirksamkeitsstudie soll in den Vereinigten Staaten, Brasilien, Peru, Costa Rica, Panama und Mexiko stattfinden. Es ist aber unklar, ob angesichts der Infektionszahlen überhaupt eine Wirkung zu sehen sein wird. Notfalls müsse die Studie in Gegenden verlegt werden, in denen die Infektionszahlen hoch seien, so Fauci.

Die Entwicklung eines Impfstoffs wird auch anderweitig erschwert. Am wichtigsten wäre der Impfstoff für Schwangere, die sich dann vorsorglich impfen lassen könnten. Bei Studien mit Schwangeren besteht allerdings immer die Gefahr, dass das ungeborene Kind Schaden nimmt. Ein Risiko stellt auch die enge Verwandtschaft zwischen Zika und den anderen Viren seiner Gattung dar, etwa dem Dengue-Virus. Wenn die Zika-Antikörper sich an die Dengue-Viren binden, diese aber nicht vollständig neutralisieren können, kann das zu einer Verstärkung der Dengue-Virus-Infektion führen.

Quelle: F.A.Z.
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