FAZ plus ArtikelEvolution im Computer

Am Anfang war der Tropfen

Von Uta Bilow
 - 11:22
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Wie einst das Leben auf der Erde vor rund vier Milliarden Jahren entstand, ist noch immer in großen Teilen ein Rätsel. Kreationisten mögen hier ihre eigene, recht eigenwillige Sicht auf die Dinge haben. Wissenschaftlich erwiesen ist jedenfalls der folgende Ablauf: Nachdem sich die Erde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren gebildet hatte, gab es auf ihrer Oberfläche lediglich eine Ursuppe, in der es mächtig brodelte und die viele verschiedene organische Substanzen wie Fette, Zucker, Amino- und Nukleinsäuren hervorbrachte. Doch recht bald vollzog sich eine einschneidende Veränderung: der Übergang von unbelebter zu belebter Materie. Irgendwie muss dabei aus den ersten organischen Molekülen die erste Zelle als Grundeinheit des Lebens entstanden sein.

Um die erste Zelle bilden zu können, mussten sich verschiedene organische Moleküle räumlich in einer Weise anordnen und organisieren, dass eine Struktur mit gänzlich neuen Eigenschaften entstehen konnte. „Die Bausteine waren zwar dieselben wie zuvor, die belebte Materie konnte sich aber nun vermehren und hatte einen Stoffwechsel“, erläutert der Biophysiker Frank Jülicher den Ursprung des Lebens. Jülicher ist Direktor am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. Mit seiner Arbeitsgruppe möchte er ergründen, wie die ersten Schritte hin zur belebten Materie abgelaufen sind. Dazu nutzen die Dresdner Wissenschaftler theoretische Konzepte und Verfahren. Vor kurzem ist ihnen ein wichtiger Schritt gelungen: In einem Computermodell konnten sie zeigen, dass sich stabile Tröpfchen mit einer Größe von einigen Mikrometern unter bestimmten Umständen teilen können. Aus einem Tropfen entstehen zwei Tropfen, im nächsten Schritt aus zwei Tropfen vier und so weiter. „Die Tröpfchen vermehren sich und vollziehen denselben Mechanismus wie lebende Zellen bei der Teilung und Vermehrung“, erklärt Frank Jülicher.

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Quelle: F.A.Z.
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