Alexander Gerst

Mit 28.000 Stundenkilometern ins All

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Vier Jahre nach seiner ersten Mission bricht der deutsche Astronaut Alexander Gerst abermals ins All auf. Um 13.12 Uhr deutscher Zeit wird Gerst mit einer Sojus-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur Raumstation ISS starten. „Die Stimmung in der Crew ist super. Beobachten desinteressierte Kamele am Wegesrand“, twitterte der 42-Jährige am Morgen während der Busfahrt vom Hotel zum Startkomplex. Beim Verlassen des Kosmonautenhotels strahlte Gerst und winkte in seinem blauen Overall in die Menge. Er fliegt als Copilot gemeinsam mit dem russischen Kommandanten Sergej Prokopjew und der amerikanischen Ärztin Serena Auñón-Chancellor in einer Sojus-Raumkapsel. Von August an hat Gerst das Kommando über die ISS und der fünfköpfigen Besatzung – als erster Deutscher überhaupt. 2014 hatte Gerst rund sechs Monate als Bordingenieur auf der Internationalen Raumstation verbracht.

Die allerletzten Dinge

Am Morgen genoss Gerst ein letztes Mal alltägliche Dinge auf der Erde. „Eben aufgestanden und zum letzten Mal in 6 Monaten richtig geduscht“, twitterte er. Zum Frühstück gab es demnach Kascha, eine Art Grütze zum Beispiel mit Buchweizen oder Haferflocken. Dann unterschrieb die Crew auf den Türen ihrer Hotelzimmer – eine von vielen russischen Raumfahrttraditionen. Auch bei der Abschieds-Pressekonferenz am Dienstag hatte Gerst ausgesprochen entspannt gewirkt. „Es ist einfacher, wenn man zum zweiten Mal fliegt, denn man hat die großen Unbekannten nicht“, sagte er. Man frage sich nicht mehr, wie das Leben da oben eigentlich ist.

Wie beim ersten Start 2014 ist Gersts Familie nach Baikonur gereist, am Vormittag sollte es ein letztes Abschiedstreffen geben – zum Schutz vor Infektionen hinter einer Glasscheibe. „Wir freuen uns sehr, ihn nun zum zweiten Mal ins All fliegen zu sehen und wünschen ihm das Allerbeste“, teilte die Familie schriftlich der Deutschen Presse-Agentur mit. „Alexander war schon immer ein Forscher und Entdecker.“ Gersts Angehörige hatten der Esa zufolge den Wunsch geäußert, in Baikonur keine Interviews zu geben.

„Alex, du könntest mein Sohn sein“

Große Emotionen gab es bei Europas Raumfahrtchef Jan Wörner. Am Tag vor dem Raketenstart habe er Gerst gesagt: „Alex, weißt du, du könntest mein Sohn sein“, sagte der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) am Mittwoch. Gersts Heimatort Künzelsau feiert den Flug ihres Ehrenbürgers mit einem Stadtfest. Die zentrale Veranstaltung der Esa zum Start findet im Zeiss-Großplanetarium Berlin statt. Auch in vielen anderen Orten bundesweit sind Live-Übertragungen geplant (weitere Informationen siehe unten).

Der Flug zur ISS rund 400 Kilometer über der Erde wird etwa zwei Tage dauern. Gut sechs Monate soll der promovierte Geophysiker in dem fliegenden Labor bleiben. Teil der Mission sind etwa 300 Experimente, darunter 41 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Auch ein auf Sprachbefehle hörender Roboter ist mit an Bord – mit dem Projekt „Cimon“ testet das DLR künstliche Intelligenz. Wie wohl kein ISS-Mitglied zuvor hatte Gerst vor vier Jahren die Welt über Social-Media-Botschaften und Fotos an seinem Abenteuer teilhaben lassen. Über Twitter ließen in den vergangenen Tagen etliche Fans verlauten, sie hofften auch dieses Mal wieder auf möglichst viele Eindrücke und Bilder aus dem All.

Live dabei - wo und wann?

Das Start wird ab 12.00 Uhr live im Internet übertragen, unter www.esa.int und www.dlr.de.

In verschiedenen Städten wird Public Viewing angeboten:

Quelle: dpa, mli
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