Amerikas Raumfahrtziele 2.0

Zurück zum Mond

Von Manfred Lindinger
 - 20:19

Amerikas Raumfahrer kennen nun auch offiziell ihre nächsten Reiseziele. Präsident Donald Trump hat die amerikanische Raumfahrtbehörde (Nasa) am Montag schriftlich angewiesen, wieder Astronauten zum Mond bringen. Und mehr noch: Trump gab auch „Grünes Licht“ für eine bemanne Mission zum Mars, wobei der Mond als Ausgangsbasis dafür dienen soll. Damit haben die seit langem gehegten Pläne der Nasa für die Rückkehr zum Erdtrabanten und die anschließende Weiterreise zum Roten Planeten auch die entscheidende politische Unterstützung des derzeit mächtigsten Mannes im Weißen Haus erhalten. Über die Kosten und den Zeitrahmen der Missionen lieferte Trump allerdings keine Informationen.

Den Zeitpunkt für seine Ankündigung hatte der amerikanische Präsident gut gewählt: Am 14. Dezember vor 45 Jahren verließen die beiden Astronauten der Apollo-17-Mission Harrison Schmitt und Eugene Cernan vorläufig als letzte Menschen den Erdtrabanten. Seither haben zwar eine Reihe Raumsonden den Mond besucht, aber keine Menschen. Mit seiner Vorliebe für den Mond steht Donald Trump in der Tradition seiner republikanischen Vorgänger. Demokratische Präsidenten – wie seinerzeit Barack Obama – neigen eher dazu, dem Mars oberste Priorität einzuräumen. Dass Trump in seiner Ansprache am Montag neben dem Mond auch explizit den Mars nannte, dürften viele bei der Nasa mit Erleichterung aufgenommen haben. Denn bislang hatte sich der Präsident noch nicht offiziell über die nächsten Ziele in der bemannten Raumfahrt geäußert.

Mit der Orion-Kapsel zum Mond und dann zum Mars

Bei der Nasa haben die Pläne für bemannte Missionen zum Mond und zum Mars schon seit längerem die Schubladen verlassen. So baut man seit einigen Jahren an einem Raumschiff, das Platz für bis zu sechs Astronauten bieten soll, und an einer leistungsfähigen Trägerrakete. Das Space Launch System (SLS) wird größer und schubkräftiger sein als die Saturn V, die die Apollo-Astronauten einst zum Mond brachte. Das Service-Modul für die Orion-Kapsel wird von der europäischen Raumfahrtbehörde geliefert.

Unendliche Weiten
Trump will Astronauten zum Mond schießen - und auf den Mars
© dpa, reuters

Auch der Zeitplan steht bei der Nasa für die kommenden Jahre bereits fest. Den ersten unbemannten Jungfernflug in die Erdumlaufbahn hatte die Orion bereits Anfang Dezember 2014 erfolgreich absolviert. Der erste Flug zum Mond soll im Jahr 2019 erfolgen, ein Jahr später als geplant. Eine SLS-Trägerrakete wird dann die Orion samt Service-Modul in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten bringen. Ob bei der Mission bereits Astronauten an Bord sein werden, ist noch unklar. Drei Jahre später soll die Orion zu ihrem zweiten Mondflug aufbrechen. Verlaufen die weiteren Testflüge erfolgreich, könnten Mitte 2020 die ersten Astronauten auf Mond landen.

Gleichzeitig will man mit dem Aufbau einer Raumstation in der Mondumlaufbahn beginnen. Das „Deep Space Gateway“ soll Nachfolger der Internationalen Raumstation ISS werden. Wie die ISS ist auch die Mondstation als internationales Projekt konzipiert. Von der Mondumlaufbahn aus könnte auch die Errichtung eines dauerhaft bewohnten Stützpunkts auf der Mondoberfläche erfolgen, wie es vielen führenden Raumfahrtnationen vorschwebt.

Die Besiedelung des Mars

Den Aufbruch zum Mars plant die Nasa für Mitte der dreißiger Jahre. Das „Deep Space Gateway“ könnte dafür als Sprungbrett dienen. Dort würde man auch das Mars-Raumschiff zusammenbauen. Von der Mond Umlaufbahn aus würde der Flug zum Mars leichter fallen, da man die Erdanziehung der Erde nicht überwinden müsste. Man konnte als Antrieb dann ein Ionentriebwerk verwenden, was weniger Treibstoff erfordern würde. Allerdings wird eine solche Mission nicht nur aus finanzieller und technischer Sicht eine große Herausforderung. Schon allein der Flug zu unserem Nachbarplaneten wird im günstigsten Fall ein gutes halbes Jahr dauern.

Ein Jahr wird man dort verweilen müssen, bis sie das Fester für einen schnellen Rückflug eröffnet. Die Astronauten werden in dieser Zeit starker Strahlenbelastung ausgesetzt sein und auf engem Raum leben müssen. Zudem müssen alle Systeme möglichst zu 100 Prozent regenerativ arbeiten. Sollten die technische Probleme alle gelöst werden, stellt sich noch die Frage, wie die Reise zum Mars finanziert werden soll. Die geschätzten Kosten: Mindestens 900 Milliarden Euro.

Doch all das scheint die Nasa und andere Raumfahrtorganisationen nicht abzuschrecken. Außer Amerika haben auch China und Russland bereits den Mars im Blick. Auch private Raumfahrtunternehmen wollen die weite Reise wagen. So plant der Gründer von Tesla und Paypal, der Multimilliardär Elon Musk schon im Jahr 2024, also zehn Jahre früher als die Nasa, ein Raumschiff mit Platz für 120 Menschen zum Mars zu schicken.

Es ist klar, will die Nasa die ehrgeizigen Pläne verwirklichen, so muss sie möglichst viele Partnerländer und anderer Mitstreiter gewinnen, auch aus der privaten Wirtschaft. Mit Trumps Lieblingsmotto „Amerika first“ wird eine Reise zum Mars nicht gelingen.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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