Asteroid 2012 TC4

Achtung, Brocken im Anflug

Von Manfred Lindinger
 - 06:00
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Es kommt nicht alle Tage vor, was sich heute in der Nähe unserer Erde abspielt. Gegen acht Uhr deutscher Zeit wird ein Asteroid mit schätzungsweise 30 Metern Durchmesser an unserem Heimatplaneten vorbeirauschen Glücklicherweise in einer Entfernung, bei der keinerlei Kollisionsgefahr besteht, wie Wissenschaftler seit Tagen versichern.

2012 TC4 – so die wissenschaftliche Bezeichnung des kosmischen Besuchers – kommt auf seiner Bahn der Erde nicht näher als bis auf 44.000 Kilometer. (In 36.000 Kilometer Höhe kreisen die geostationären Satelliten.) Diese Entfernung scheint für irdische Maßstäbe ein eher sicherer Abstand zu sein. Asteroidenforscher betrachten den Vorbeiflug von 2012 TC4 aber eher als Warnung, wie bedroht unser Planet ist.

Der Erde näher gekommen war in jüngster Zeit nur der 60 Meter große Kleinplanet 2012 DA14. Er passierte am Abend des 15. Februar 2015 die Erde in einem Abstand von nur 27.500 Kilometern.

Der Warnschuss von Tscheljabinsk

Die Erde steht unter ständigem Beschuss aus dem All. Rund hundert Tonnen Material regnen täglich vom Himmel herab. Das meiste davon verglüht in der Atmosphäre. Aber alle vierzig Jahre kann es – statistisch – vorkommen, dass ein Objekt wie 2012 TC4 auf der Erde einschlägt. Was passiert, wenn ein Asteroid von der Größe des heutigen Besuchers in die Atmosphäre eindringt und explodiert, dürfte vielen noch in Erinnerung sein.

Am frühen Morgen des 15. Februar 2013 barst ein zwanzig Meter großer und 10.000 Tonnen schwerer Himmelskörper über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Die Trümmer und die Druckwelle hatten damals beträchtliche Sachschäden angerichtet und mehr als tausend Menschen verletzt.

Erde in ständiger Gefahr

Dabei ist das Ereignis noch recht glimpflich verlaufen. Schlimmer wäre es gewesen, wenn das Objekt, das immerhin die Sprengkraft von 500 Kilotonnen TNT entwickelte, unter einem steileren Winkel in die Erdatmosphäre eingedrungen wäre. Noch verheerender wäre der Einschlag eines noch größeren Brockens. Er könnte ganze Landstriche verwüsten. Nicht auszudenken, was passiert, wenn er über einer Stadt oder einem dichtbesiedelten Gebiet niedergeht.

Glücklicherweise ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis äußerst gering. Und sie sinkt mit der Größe der Brocken. Seit dem Einschlag des rund zehn Kilometer großen Asteroiden, der das Ende der Dinosaurier besiegelte, sind mittlerweile 65 Millionen Jahre vergangen, ohne dass inzwischen ein vergleichbares Ereignis eingetreten ist.

Doch die Ruhe ist trügerisch. Denn ganz ausschließen kann man so einen Treffer nicht. Und das wissen auch die Wissenschaftler, die den Himmel mit ihren Teleskopen fortwährend nach vagabundierenden Objekten absuchen, deren Flugbahnen überwachen und Kollisionswahrscheinlichkeiten berechnen. Effektive Strategien, um einen Asteroideneinschlag abzuwehren, gibt es bislang allenfalls auf dem Papier. Offenkundig nimmt man vielerorts die Bedrohung eines Asteroideneinschlags noch nicht ernst genug. Mit Ausnahme vieler Versicherungsunternehmen. Sie bieten schon länger entsprechende Policen an.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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