Die andere „Astronautin“

„Manchmal gibt es Gründe, andere Wege einzuschlagen“

Von Lorenz Hemicker
 - 09:17

Frau Thiele Eich, Nicola Baumann hat Deutschland gestern mit ihrem Rückzug aus dem Programm „Die Astronautin“ überrascht. Wie haben Sie davon erfahren?

Sie hat sich ja nicht erst gestern Morgen entschieden. Wir standen in den letzten Monaten immer in engem Kontakt, und haben viel darüber gesprochen, ob Nicola diesen Schritt gehen soll. Manchmal gibt es Gründe, andere Wege einzuschlagen; ich kann sie gut nachvollziehen, auch wenn sie nicht auf mich zutreffen.

Sind Ihre Chancen, als erste deutsche Astronautin ins All zu fliegen, damit gestiegen?

Nein. Wir sind ein Team aus sechs Frauen, die für den Flug infrage kommen und von denen zwei dafür trainieren. Innerhalb unserer Gruppe tauschen lediglich zwei ihre Rollen. Nicola hört mit dem Training auf, dafür wird eine der anderen vier an ihre Stelle rücken. Unsere Profile sind insgesamt sehr unterschiedlich. Wenn die Wissenschaftsmission feststeht, wird entschieden, wer mitfliegt.

Das heißt, für Sie ändert sich nichts?

Das Training, die Kurse, alles bleibt beim Alten. Ich arbeite weiter 70 Prozent in meinem Job als Meteorologin und 50 Prozent im Astronautentraining. Als Nächstes stehen im Frühjahr Parabelflüge gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt an. Flüge also, bei denen Schwerelosigkeit simuliert wird. Danach folgen Flug- und Tauchschein.

Seit wann wollten Sie Astronautin werden?

Das begann ganz klischeehaft beim Blick in den Sternenhimmel, als ich ungefähr acht Jahre alt war. Hinzu kam, dass mein Vater Gerhard Thiele selbst ESA-Astronaut war. Dank ihm bin ich in der Raumfahrtgemeinschaft groß geworden. Mich reizt besonders die Verbindung aus wissenschaftlicher und körperlicher Grenzerfahrung. Letztere ist eine willkommene Abwechslung zur akademischen Tätigkeit. Schon das Training ist es wert, dabei zu sein.

Das heißt, Sie könnten damit leben, sich am Ende gegen 400 Mitbewerberinnen durchgesetzt zu haben – und doch nicht ins All zu fliegen?

Man sollte das Programm nicht auf die kurze Zeit auf der Raumstation reduzieren. Wir warten viele Jahre auf den Flug. Da wäre es sicherlich schade, wenn man sich nur auf diese wenigen Tage oder Wochen versteift. Selbst, wenn man am Ende ausgewählt wird, kann es jederzeit sein, dass die Mission gecancelt wird.

Eine weitere Rolle spielt bei der Initiative „Astronautin“ der Faktor Geld. Wie optimistisch sind Sie, dass die Spenden für Ihr Projekt am Ende reichen?

Wir haben große Schritte gemacht, gemeinsam mit Airbus und dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum, die vollständige Finanzierung ist allerdings nicht gesichert.

Was den Weltraum angeht, findet gerade ein anderer, großer Start statt. Gehen Sie in den neuen Star-Wars-Film?

Gibt es einen neuen Star-Wars-Film? Das habe ich wirklich nicht mitbekommen! Was Science-Fiction angeht, bin ich eher ein Trekkie. Aber bestimmt ergibt sich über die Feiertage eine Gelegenheit!

Quelle: FAZ.NET
Lorenz Hemicker
Redakteur in der Politik
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