Weltraum
Leben auf dem Mars

Der Sauberplanet

Von Sibylle Anderl
© dpa, F.A.Z.

Es gibt gute Neuigkeiten für alle übertriebenen Reinlichkeitsfanatiker. Die Klasse der antibakteriellen Entitäten, zu der bisher so profane Produkte wie Flüssigseifen, Hygienetücher, Oberflächensprays oder auch Schneidebretter zählten, hat ein neues Mitglied zu begrüßen: den antibakteriellen erdähnlichen Planeten. Als solchen identifiziert eine aktuell in den „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie der Astrobiologen Jennifer Wadsworth und Charles S. Cockell unseren Nachbarplaneten Mars. Dass es organische Substanzen auf dessen Oberfläche schwer haben könnten, hatte man bereits früher gemutmaßt, als die Viking-Missionen keine eindeutigen Spuren entsprechenden Materials finden konnten. Ebenfalls existierte bereits damals der Verdacht, dass die Existenz von Oxidationsmitteln auf der Marsoberfläche der Grund für dessen Keimfreiheit sein könnte.

Nachdem in den vergangenen Jahren durch den Nasa Phoenix-Lander und den Mars-Reconnaissance-Orbiter Perchlorate auf dem Mars gefunden wurden, testeten Wadsworth und Cockell nun deren Einfluss auf potentielles Marsleben. Dafür bestrahlten sie Magnesiumperchlorat in beobachteter Mars-Konzentration mit einem für den Mars repräsentativen UV-Strahlungsfeld. Bakterien, die diesen Bedingungen ausgesetzt wurden, überlebten nicht länger als wenige Minuten. Der zugrundeliegende Mechanismus scheint dabei zu sein, dass das Perchlorat unter Strahlungseinfluss zu schädlichen, reaktiven Sauerstoffspezies abgebaut wird. Der für die Bakterien tödliche Effekt wurde sogar noch verstärkt, wenn andere mutmaßliche Komponenten des Marsbodens wie Wasserstoffperoxid und Hämatit beigemischt wurden.

Ob die Marssche Sterilität geplanten Marsexpeditionen nun verstärkten Zulauf übervorsichtiger Eltern bescheren wird, die davon träumen, ihren Nachwuchs in vollkommen keimfreiem (Mars-)Sand spielen zu lassen, bleibt abzuwarten. Ein handfester Vorteil des Befundes ist zumindest, dass die Sorge irdischer Kontamination der Marsoberfläche unbegründet zu sein scheint. Sollten irdische Bakterien es tatsächlich auf unseren Nachbarplaneten geschafft haben, wäre ihr Entdeckervergnügen von überaus kurzer Dauer gewesen.

Quelle: F.A.Z.
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