Die Vermessung der Erde

Neue deutsch-amerikanische Satellitenmission gestartet

 - 16:29

Das Erdschwerefeld und dessen Veränderungen präzise vermessen und so Indikatoren von Klimaveränderungen überwachen: Dafür sind zwei deutsch-amerikanische Satelliten in der Nacht zum Mittwoch ins All gestartet. Das „Grace-Fo“-Duo habe an Bord einer „Falcon 9“-Rakete planmäßig von einem Weltraumbahnhof in Kalifornien abgehoben, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Kurze Zeit später hätten die beiden rund 600 Kilogramm schweren Satelliten erste Kommunikationssignale gesendet.

Die rund 440 Millionen Euro teure Mission organisiert die Nasa gemeinsam mit dem Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Deutschland steuert rund 78 Millionen Euro bei. Wie ihr Vorgängerprojekt „Grace“ ist auch diese Mission auf fünf Jahre ausgelegt. Letztendlich hatten die Grace-Satelliten aber deutlich länger, nämlich fünfzehn Jahre, funktioniert und waren damit von 2002 bis 2017 im Einsatz gewesen. Auf eine verlängerte Funktionstüchtigkeit hoffen die Forscher laut eigenen Aussagen auch bei der Grace-Fo-Mission. „Grace-Fo“ steht für „Grace Follow On“ als Nachfolger der ersten Grace-Mission.

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Erfolgreicher StartDeutsch-amerikanische Satellitenmission

Wie auch beim Vorgänger-Duo sollen die beiden etwa drei Meter langen Satelliten in einem Abstand von rund 250 Kilometer um die Erde fliegen und sie vermessen. Einmal pro Monat soll so eine Karte des Schwerefelds der Erde entstehen. Aus den Daten sind Rückschlüsse beispielsweise auf die Veränderung des Meeresspiegels oder des Klimas möglich.

Die erste „Grace“-Mission hatte bereits gezeigt, dass in Grönland von 2002 bis 2016 rund 270 Milliarden Tonnen Eismassen verloren gingen. Die neuen Daten sollen rund 5000 bereits registrierten Interessenten zur Auswertung zur Verfügung gestellt werden- darunter Hydrologen oder
Ozeanografen.

Für eine verbesserte Messgenauigkeit soll ein vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik entwickeltes Interferometer sorgen, das eine Laserverbindung zwischen den beiden Satelliten herstellt. Das Instrument ist das erste seiner Art und dient als Pilotprojekt: „Wir sind sehr gespannt darauf wie das Laserinstrument im Weltall funktioniert. In unseren Laboren konnten wir den Betrieb über Laserlaufstrecken von 220 Kilometer in der Schwerelosigkeit des Alls natürlich nicht testen. Wir werden die Messdaten ganz genau analysieren, um daraus Lektionen für zukünftige Missionen und das Gravitationswellen-Observatorium LISA, das im Jahr 2034 als ESA-Mission starten soll, abzuleiten“, so Karsten Danzmann, Direktor des Instituts für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover.

Quelle: dpa / leav
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