Exoplaneten

Ein temperierter Planet mit Kurs auf die Erde

Von Sibylle Anderl
 - 16:27

Es ist erst wenige Tage her, dass Astronomen Staubringe im nahen Sternsystem Proxima Centauri dazu nutzten, auf die Existenz eines Planetensystems zu schließen, das neben dem bekannten Planeten Proxima Centauri b noch weitere Planeten umfasst. Nun geht es gleich weiter mit Meldungen naher, potentiell lebensfreundlicher Welten. Eine internationale Gruppe von Astronomen um Xavier Bonfils von der Universität Grenoble Alpes hat mithilfe des HARPS Instruments am La Silla 3,6 Meter Teleskop der Eso nun die Entdeckung eines Planeten vermeldet, der den nur 11 Lichtjahre entfernten Stern Ross 128 in zwanzigfach näherem Abstand als die Erde von der Sonne umkreist. Dieser Stern ist ein roter Zwergstern - sein Planet Ross 128 b benötigt nur knapp zehn Tage, um ihn zu umrunden. Aufgrund der geringeren Leuchtkraft des Sterns, 280 Mal schwächer als die unserer Sonne, gehen die Autoren davon aus, dass trotz der großen Nähe relativ angenehme Temperaturen auf Ross 128b herrschen könnten: abhängig von den Reflexionseigenschaften des Planeten schätzen sie Oberflächentemperaturen zwischen -60 und 20 Grad Celsius. Der genaue Wert und damit die Antwort auf die Frage, ob auf der Oberfläche flüssiges Wasser existieren könnte und Ross 128 b damit als potentiell lebensfreundlich eingestuft werden kann, hängt aber natürlich davon ab, ob und wenn ja welche Atmosphäre der Planet besitzt. Diese Frage kann auf der Grundlage der vorliegenden Daten aber nicht beantwortet werden. Ross 128 b wird von den Astronomen daher nicht als „habitabel“ sondern nur als „temperiert“ bezeichnet.

Zwergsterne wie Ross 128 existieren in großer Zahl und werden als vielversprechende Kandidaten für die Entdeckung erdähnlicher Planeten gehandelt. Erst im April wurde in dem 39 Lichtjahre entfernten Zwergstern-System LHS 1140 eine Supererde entdeckt, die als bisher vielversprechendster Kandidat für lebensfreundliche Bedingungen gehandelt wurde. Ein weiteres prominentes Exemplar eines Planetensystems, das um einen Zwergstern kreist, wurde Anfang des Jahres mit dem Trappist-1 System diskutiert, das sieben erdähnliche Planeten beherbergt, von denen drei in der habitablen Zone des Systems liegen könnten.

Im Sternzeichen Jungfrau
2017 entdeckt: Ross 128
© ESO, ESO

Trappist-1 und LHS 1140 sind bereits als besonders wichtige Beobachtungsprojekte für das James Webb Weltraumteleskop mit Start im Februar 2019 vorgemerkt, das anhand von Transmissionsspektren - Spektren, die aufgenommen werden, wenn das Licht des Sterns die Atmosphäre des Planeten bei dessen Durchgang vor dem Stern durchscheint - nach chemischen Spuren von Leben suchen wird. Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Detektion von Biomarkern wie Ozon werden bei Trappist-1 allerdings dadurch gedämpft, dass dieser Stern Strahlung im extremen UV-Bereich des elektromagnetischen Spektrums aussendet und zu stellaren Eruptionen neigt. Beides übt einen zerstörerischen Effekt auf die Atmosphären zumindest der inneren Planeten aus. Ähnliches gilt für unser Nachbar-System Proxima Centauri, dessen Zentralstern ebenfalls zu häufigen Strahlungsausbrüchen neigt. Vor diesem Hintergrund beschreiben Bonfils und seine Kollegen nun Ross 128 b als besonders vielversprechenden Kandidaten für die zukünftige Suche nach chemischen Spuren von Leben in der Atmosphäre eines Exoplaneten, da dessen Heimatstern außerordentlich ruhig ist. Leider bewegt sich Ross 128 b nicht durch die Sichtlinie zwischen uns und seinem Stern hindurch, so dass keine Transmissionsspektren aufgenommen werden können.

Die Autoren setzen daher auf zukünftige Beobachtungen mit dem geplanten „Extremely Large Telescope“ der Eso, das einen Durchmesser von 39 Metern besitzen wird und dessen Fertigstellung für die Mitte des kommenden Jahrzehnts geplant ist. Die Beobachtungsbedingungen für das Studium von Ross 128 werden aber im Übrigen in Zukunft immer besser werden: Der Stern bewegt sich auf die Erde zu, und wird in 71000 Jahren zu unserem nächsten stellaren Nachbarn werden.

Quelle: FAZ.NET
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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