Interstellare Wolken

Überraschung in der dritten Dimension

Von Sibylle Anderl
 - 16:37

Die dreidimensionale Struktur des Universums zu erforschen, ist eine der großen Herausforderungen der Astronomie. Schließlich muss die dritte Dimension aus der zweidimensionalen Projektion des Kosmos auf die Himmelssphäre erst aufwendig hergeleitet werden. Astronomen der Universität Kreta ist es nun erstmals gelungen, die 3D-Gestalt einer Molekülwolke zu bestimmen, wie „Science“ berichtet. Dafür nutzten sie Beobachtungen von streifenartigen Ausläufern am Rand der rund 600 Lichtjahre entfernten Wolke „Musca“. Dass solch eine Streifenbildung ein typisches Merkmal von Molekülwolken ist, hatte das im infraroten Wellenlängenbereich arbeitende Herschel Weltraumteleskop der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) während seiner Mission zwischen 2009 und 2013 enthüllt.

Für die Bildung der Streifen scheinen magnetoakustische Wellen innerhalb der Wolke verantwortlich zu sein: Die Wolke vibriert wie eine Glocke. Die fundamentalen Schwingungsmoden der Wolke, die aus den Streifen abgeleitet werden können, verglichen die Wissenschaftler mit Ergebnissen dreidimensionaler magnetohydrodynamischer Simulationen. Dabei zeigte sich, dass die Wolke die Gestalt eines flachen Fladens besitzt und nicht, wie bislang angenommen, diejenige eines zylinderförmigen Filaments. Das Ergebnis kann Hinweise auf die in der Wolke ablaufenden physikalischen Prozesse geben, wie Magnetfelder, Turbulenz und Gravitationskräfte. Diese wiederum spielen eine zentrale Rolle für die in Wolken stattfindende Entstehung von Sternen und Planeten.

Quelle: F.A.Z.
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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