Methan-Funde

Leben auf dem Mars? Wir wissen es nicht!

Von Sibylle Anderl
 - 13:10

Auf dem Mars wurden organische Moleküle nachgewiesen. Deren Existenz war dort bereits seit langem erwartet worden, doch bisherige Versuche eines Nachweise, insbesondere mithilfe der Viking-Sonden, die 1976 auf dem Mars gelandet waren, hatten keine eindeutigen Befunde liefern können.

Organische Moleküle sind im All keineswegs ungewöhnlich, da sie auch durch nicht-biologische Prozesse hergestellt werden. So waren bereits im vergangenen Jahr mithilfe der Raumsonde Dawn organische Moleküle auf der Oberfläche des Zwergplaneten Ceres nachgewiesen worden, wo sie vermutlich vor Ort durch chemische Reaktionen entstanden sind. Auch im interplanetaren und interstellaren Raum können organische Moleküle gebildet werden und von dort durch Kometen, Asteroiden, Meteoriten oder interplanetarem Staub auf die Oberfläche von Planeten gebracht werden. Die Menge des Materials, das auf diese Weise pro Jahr den Mars erreichen sollte, kann mit einer Menge von 100 bis 300 Tonnen abgeschätzt werden.

Gleichzeitig sollte dieses Material auf dem Mars durch verschiedene Prozesse mit der Zeit aber auch wieder zerstört werden, beispielsweise durch den Einfluss ultravioletter Strahlung, ionisierende Strahlung oder chemische Stoffe, die oxidierend wirken. Selbst wenn diese Prozesse aber jedes organische Material auf der Oberfläche zersetzt haben sollten, würden zumindest die Abbauprodukte organischer Moleküle zu finden sein – im Widerspruch zu den Befunden der Viking-Sonden.

Nun konnte mithilfe der SAM-Instrumente (Sample Analysis at Mars) an Bord des Curiosity Rovers Material der Marsoberfläche analysiert werden. Entscheidend war dabei, dass vorher bestehende methodische Probleme gelöst werden konnten. So hatte es bereits 2015 Meldungen über den Nachweis organischer Moleküle gegeben, bei denen aber nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sie auf Störsignale oder Verunreinigungen zurückzuführen waren. Diese Fehlerquellen konnten nun von Astronomen um Jennifer Eigenbrode ausgeschlossen werden, wie in „Science“ berichtet wird. Die Wissenschaftler hatten drei Milliarden Jahre altes Schlammgestein aus dem Gale Krater untersucht, den frühere Studien als Ort identifiziert hatten, an dem es einmal Seen gegeben haben könnte. Dabei stellten die Forscher zweifelsfrei die Existenz organischen Materials fest, auch wenn sie über dessen Herkunft keine Aussage machen konnten: „Biologische, geologische und meteoritische Ursprünge sind möglich“, so die Autoren. Der Schluss auf mögliches Leben auf dem Mars ist damit nach wie vor alles andere als zwingend. Untersuchungen von Gestein unterhalb der Oberfläche, das, geschützt vor zerstörerischen Prozessen, ursprünglicher erhalten sein sollte als das untersuchte Material, könne vermutlich mehr Informationen liefern.

Auch ein weiteres aktuell in “Science” veröffentlichtes Ergebnis bestätigt Resultate vorheriger Messungen: In der Marsatmosphäre existiert Methan, das ebenfalls auf biologische Prozesse hinweisen könnte – letzteres allerdings ebenfalls nicht zwingend. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Christopher Webster hatten den Methangehalt im Gale Krater mithilfe eines Laserspektrometers an Bord des „Curiosity“-Rovers während eines Zeitraums von fünf Jahren überwacht. Dabei stellten sie einen stabilen Hintergrundwert zusammen mit starken saisonale Variationen fest. Die Schwankungen seien weder dadurch zu erklären, dass organisches Material, das durch Einschläge auf den Mars gebracht wurde, unter Erzeugung von Methan durch ultraviolette Strahlung zersetzt wird. Noch könnten sie auf jährliche Schwankungen des Oberflächendrucks auf dem Mars zurück geführt werden. Stattdessen schienen die Messungen auf die Existenz lokaler Methanquellen auf oder unterhalb der Oberfläche hinzuweisen. „Beide Ergebnisse stellen Durchbrüche im Gebiet der Astrobiologie dar,“ stellt Inge Loes ten Kate in einem ebenfalls in „Science„erschienenen Kommentar fest. Dafür, Spuren von Leben auf dem Mars zu vermelden, ist es dennoch noch zu früh.

Quelle: FAZ.NET
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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