Alexander Gerst

Kommandant aus Leidenschaft

Von Manfred Lindinger
 - 11:23
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Heute um voraussichtlich 15:07 Uhr wird die Kapsel der Sojus-Rakete mit Alexander Gerst und zwei Crewmitgliedern aus Amerika und Russland an die Raumstation ISS andocken. Die letzten zwei Tage waren die Astronauten in der Rakete unterwegs. Dass Astro-Alex heute bereits zum zweiten Mal die ISS betritt, zeigt, dass er wie für das All gemacht ist.

Nur wenige Astronauten haben das Glück, ein zweites Mal in den Weltraum fliegen zu dürfen. Alexander Gerst, der vor vier Jahren zum ersten Mal zur Internationalen Raumstation (ISS) aufgebrochen war und dort sechs Monate verbrachte, wird von nun an zu diesem erlesenen Kreis gehören. Vor zwei Tagen startete er pünktlich um 13.12 Uhr deutscher Zeit an Bord einer Sojus-Kapsel vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All. Ein halbes Jahr lang wird er ein weiteres Mal die Erde in 400 Kilometer Höhe umkreisen, zahlreiche Experimente betreuen und Weltraumspaziergänge unternehmen. Dass er als erster deutscher Astronaut von August an sogar das Kommando über den Außenposten und seine Besatzung übernehmen darf, ist ein Privileg.

Dass Gerst, der 1976 in Künzelsau, östlich von Heilbronn, zur Welt kam, der geborene Raumfahrer ist, hat er schon während seines ersten Aufenthalts auf der ISS bewiesen. Nach der Landung in der kasachischen Steppe waren alle überrascht, wie fit Gerst nach 116 Tagen in der Schwerelosigkeit aus der Sojus-Kapsel kroch und gleich wieder eigenständig gehen konnte. Er wolle gern wieder da hoch, war damals sein erster Kommentar. Dass sich sein Wunsch nun so schnell erfüllt hat, wird ihn am meisten überrascht haben, als er vor zwei Jahren davon erfuhr.

Hohe Kompetenz

Dass man ihm eine zweite Reise zur ISS inklusive eines Langzeitaufenthalts zutraut, hat mit seiner Kompetenz zu tun – Gerst, der fließend Russisch und Englisch spricht, sind die täglichen Abläufe auf der Raumstation und sein dortiger Arbeitsplatz, das europäische Columbus-Modul, noch gut vertraut. Inzwischen hat er als Kopilot sogar gelernt, wie man eine Sojus-Kapsel bedient. Deshalb darf er beim Start auch neben dem russischen Kommandanten Sergej Prokopjew sitzen.

Zudem ist der Unicef-Botschafter ein Sympathieträger, wie ihn die bemannte Raumfahrt lange nicht erlebt hat. Mit seinen persönlichen Facebook- und Twitter-Beiträgen aus dem All sowie seinen spektakulären Bildern von der Erde hat er bei seiner „Blue-Dot-Mission“ vor vier Jahren viele tausend Menschen erreicht und an seinen Erlebnissen auf der ISS teilhaben lassen.

Astronaut mit Fangemeinde

Dieses Mal wird es bei der „Horizons“-Mission nicht anders werden. Schon jetzt kann Gerst auf eine große Fangemeinde in den sozialen Medien blicken. Mit seinem Engagement und Charisma hat er auch hierzulande die Begeisterung für bemannte Weltraumreisen wieder geweckt. Der deutsche Astronaut ist somit auch der ideale Werbeträger für die Esa, die jedes Jahr ihre 22 Mitglieder überzeugen muss, dass es sich lohnt, in die Raumfahrt zu investieren.

Zwei Jahre lang hat sich der promovierte Geophysiker und Vulkanologe, der in Karlsruhe und in Wellington studierte und 2010 an der Universität Hamburg seinen Doktorhut erhielt, intensiv auf seinen zweiten Weltraumaufenthalt vorbereitet und seine Kenntnisse aufgefrischt. Als Kommandant sind neben Teamgeist und Führungsaufgaben vor allem auch Fähigkeiten gefragt, schnelle Entscheidungen etwa in Notfallsituationen zu treffen und die Raumstation zu manövrieren.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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