Raumfahrt

Ein Nein von der Nasa

Von Sibylle Anderl
 - 23:03

Eines muss man Trump lassen: Er führt uns allen nachhaltig vor Augen, dass es sehr viel weniger spaßig ist, amerikanischer Präsident zu sein, als man es sich gemeinhin vorstellt. Die Medien sind nicht nett zu einem, man kann sich nicht mehr unbewacht bewegen, und dann hat man auch noch wirklich viel Arbeit. Da würde es schon helfen, wenn es irgendetwas Spektakuläres gäbe, auf das man sich freuen könnte bei all dem Stress. Etwas wahrhaft Atemberaubendes, was in seiner Außerordentlichkeit die Außerordentlichkeit des Präsidenten spiegeln könnte. Kosmische Maßstäbe. Ein bemannter Weltraumflug zum Beispiel, das sollte doch hinzukriegen sein.

Im Februar hatte Trump diesen Wunsch gegenüber der Nasa formuliert, die aktuell daran arbeitet, eine neue leistungsstarke Trägerrakete, das Space Launch System, für ihren Jungfernflug bereitzumachen. Diese Rakete soll es mittelfristig möglich machen, dass Menschen unser Sonnensystem jenseits des Erdmonds erkunden können. Der erste, frühestens für 2019 geplante Testflug war von der Nasa bisher jedoch unbemannt geplant, Astronauten sollten ihren ersten Einsatz nach Nasa-Planung frühestens 2021 bekommen.

Das ist natürlich eine unsichere Sache für Trump, wer weiß, ob er dann überhaupt noch im Amt ist. Und sowieso: Noch vier Jahre warten, bis Amerika auch im All wieder richtig great ist, das ist doch kaum zumutbar. Trump ließ die Nasa also prüfen, ob man nicht gleich beim ersten Start eine bemannte Mission in Angriff nehmen könne. Vergangene Woche kam die Antwort der Nasa. Es sei zwar technisch machbar, aber zu teuer und zu riskant. Der Start würde sich in diesem Fall um mehrere Jahre verzögern. Ein Nein also. Wissenschaftler sind Spielverderber. Aber das ahnte Trump vermutlich schon vorher.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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