Weltraumbahnhof Wostotschny

Panne beim Start einer russischen Rakete

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Der zweite Raketenstart von Russlands Weltraumbahnhof Wostotschny ist von einer Panne überschattet worden. Kurz nach dem Aussetzen des Wettersatelliten „Meteor-M Nr. 2-1“, den die Trägerrakete vom Typ Sojus ins All gebracht hatte, brach der Kontakt ab. Der Satellit habe die Zielumlaufbahn um die Erde nicht erreicht, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit. Experten schlossen nicht aus, dass die Raketenoberstufe mit ihrer kostbaren Fracht an Bord wieder auf die Erde zurück gefallen und im Atlantik niedergegangen sein könnte.

Ein Informant der russischen Nachrichtenagentur Tass sagte, der Satellit könne sich auch auf einer ungeplanten Erdumlaufbahn befinden. Sollte er entdeckt werden, würde versucht, Kontakt herzustellen. Sollte es innerhalb von 24 Stunden keine Signale geben, sei der Satellit wohl verloren.

Die Sojus-Rakete war um 14.41 Uhr Ortszeit (6.41 Uhr deutscher Zeit) von dem neuen Kosmodrom im Amur-Gebiet an Russlands Grenze zu China abgehoben. Alle Phasen des live im Fernsehen übertragenen Starts seien nach Plan verlaufen, wie Roskosmos erklärte. Es war erst der zweite Flug einer Rakete vom rund 8000 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Wostotschny. Außer dem Wettersatelliten sollte die Rakete 18 Mikrosatelliten von Institutionen oder Unternehmen aus Deutschland, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden und den Vereinigten Staaten in eine Umlaufbahn um die Erde transportieren. Möglicherweise habe die Raketenstufe der Fregat nicht planmäßig gezündet, hieß es der Agentur Interfax zufolge aus Raumfahrtkreisen. Die Ursachen der Panne werden derzeit geprüft.

Der Weltraumbahnhof Wostotschni ist ein Prestigeprojekt von Russlands Staatschef Wladimir Putin. Die Anlage soll Moskau die teure Miete für das Kosmodrom Baikonur auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan ersparen. Zudem will sich Russlands Raumfahrt unabhängig machen von seinem Nachbarn In Baikonur hat die Sowjetunion Raumfahrt-Geschichte geschrieben: Von dort flogen vor 60 Jahren der erste Satellit, Sputnik-1, sowie Juri Gagarin als erster Mensch ins All. Derzeit fliegen nur von Baikonur aus Menschen zur Internationalen Raumstation ISS. Langfristig sollen auch von Wostotschny Menschen starten. Russland will Kosmonauten auf den Mond und später auch zum Mars schicken.

Das Wostotschni-Projekt hatte Putin 2007 beschlossen, die Arbeiten begannen aber erst 2012. Das Kosmodrom galt als "Russlands größte Baustelle". Im Zusammenhang mit dem Bau gab es massive Korruptionsvorwürfe. Der neue Weltraumbahnhof soll umgerechnet bis zu 5,3 Milliarden Euro gekostet haben.

Der erste erfolgreiche Start einer Rakete von Wostotschni aus erfolgte im April 2016 in Putins Anwesenheit. Er hatte in letzter Minute wegen eines nicht funktionierenden Kabels um 24 Stunden verschoben werden müssen. Putin reagierte damals äußerst aufgebracht. Er rügte den zuständigen Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin und Roskosmos-Chef Igor Komarow und ließ mehrere Verantwortliche entlassen.

Der dritte Start von der für Sojus-Raketen errichteten Startrampe eins in Wostotschni ist für den 22. Dezember vorgesehen. Startrampe zwei für die neuen Angara-Raketen soll vor 2021 in Betrieb gehen. Eine dritte Startrampe solle bis 2028 gebaut werden. Der stellvertretende Regierungschef sicherte zu, dass sich dabei die früheren Fehler beim Bau der ersten Wostotschni-Anlage nicht wiederholen würden.

Quelle: F.A.Z.net, AFP, dpa
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