FAZ plus ArtikelPlanetare Geoforschung

Das Stethoskop für den Mars

Von Horst Rademacher
 - 07:21
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Dass ein ehemaliges Silberbergwerk im Schwarzwald etwas mit der Erforschung des Mars zu tun haben könnte, liegt zunächst nicht auf der Hand. Wenn jedoch am kommenden Samstag wie geplant die amerikanische Raumsonde mit dem Namen „Insight“ zu unserem Nachbarplaneten startet, dann ist das wichtigste Messgerät an Bord ein Seismometer, das intensiv in dem Schwarzwälder Bergwerksstollen getestet wurde. Mit dem Instrument sollen Marsbeben auf dem Roten Planeten gemessen werden.

Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt auf dem Mars ebenso wie auf der Erde natürliche seismische Aktivität gibt. Auf den ersten Blick ist es daher verwunderlich, dass die amerikanische Weltraumbehörde Nasa dennoch umgerechnet rund 680 Millionen Euro für die Insight-Mission ausgibt. Doch sind, obwohl seit knapp 42 Jahren immer wieder menschengemachte Raumfahrzeuge auf dem Roten Planeten gelandet sind, viele grundlegende Fragen der Marsforschung noch völlig offen geblieben. Wie ist der Planet aufgebaut? Wie sieht es in seinem Inneren aus? Gibt es auf dem Mars wie auf der Erde gigantische Krustenplatten, die auf einem zähflüssigen Brei aus teilweise geschmolzenem Gestein schwimmen und dabei Beben erzeugen und Vulkane glühende Lava speien lassen?

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Planetare Geoforschung – eine Bilanz

Schon einmal gab es einen Versuch, Beben auf dem Mars zu messen. Die amerikanische Viking-Sonde war mit einem Seismometer ausgerüstet, als sie 1976 auf dem Roten Planeten landete. Allerdings funktionierte das Instrument nicht und lieferte somit keine Messdaten. Auch die Versuche der Russen, Beben auf der Venus zu messen, schlugen fehl. Die beiden Venera-Sonden, die 1982 auf den inneren Nachbarplaneten der Erde landeten hatten Seismometer an Bord. Allerdings überlebten die Sonden jeweils nur wenige Stunden in der höllischen Atmosphäre der Venus, auf der bis zu 460 Grad herrschen. Lediglich auf dem Mond waren bisher extraterrestrische seismische Messungen erfolgreich. Im Rahmen der Apollo-Missionen stellten amerikanische Astronauten in den siebziger Jahren mehrere Seismometer auf dem Erdtrabanten auf. Die Geräte registrierten mehr als zehntausend Beben und mehr als zweitausend Einschläge von Meteoriten. Bei der Auswertung dieser Messungen stellte sich heraus, dass der Mond strukturell ähnlich wie die Erde aufgebaut ist. Es gibt eine Kruste, die dreimal so dick ist wie die der Erde. Darunter liegt ein Mondmantel. Schließlich hat der Mond einen kleinen Kern mit einem Durchmesser von knapp 350 Kilometern. Er ist ebenso wie der Erdkern zweigeteilt, außen flüssig, innen fest. (hra.)

Quelle: F.A.Z.
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